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Evangelium, Andacht, Lied und Fürbittengebet von Pfarrerin Brigitte Schöne

 

 

Lätare ist der lateinische Satzanfang zweier Verse aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 66, Verse 10-11:  laetare Ierusalem – „Freuet euch mit Jerusalem!“

Der Sonntag Lätare ist ein kleines Osterfest in der Passionszeit. In den Texten dieses Sonntags ist schon deutlich die Hoffnung auf das neue Leben angelegt, die Ostern zur Vollendung gelangt. Dazu passt das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muss, um neues Leben hervorzubringen.

 

Evangelium

Das Evangelium für den heutigen Sonntag steht im Johannes-Evangelium im 12. Kapitel, Verse 20 – 24:

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's bewahren zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

 

Andacht 

Predigttext: Jesaja 66, 10-14

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

 

Jedes Jahr wieder freue ich mich am Sonntag Lätare. Ein Aufatmen jedes Jahr inmitten der Passionswochen. Wenn wir den Weg Jesu in den sieben Wochen bis Ostern mitgehen, gedanklich, mit den biblischen Texten, in den Gottesdiensten … dann ist der Sonntag Lätare wirklich ein Lichtblick. An diesem Sonntag scheint schon auf, was wir dann Ostern feiern. Auferstehung. Jesus war es, der das Bild vom Weizenkorn geprägt hat, welches in die Erde gelegt erstirbt und neues hervorbringt. Ja, das Grün des Weizenkorns – noch ist es nicht zu sehen, aber wir wissen: Es wird grünen, das Korn! Am Sonntag Lätare schauen wir über die graue Erde hinweg in den Himmel und sehen vor unserem inneren Auge, fast träumend, schon das Grün. Es gelingt, diese Hoffnung dann auch in unser Leben zu übertragen: Es wird grünen, auch in dieser oder jener schweren Situation, die Menschen durchleben. Wir haben Vorstellungen davon, worin die „Auferstehung“ liegen könnte, wie sie aussehen könnte in dieser oder jener schweren Situation. Wir haben Hoffnungen.

In diesem Jahr ist alles anders. Lätare – freuet euch? Das geht mir noch nicht durch das Gemüt. Das kommt mir noch nicht über die Lippen. Zu verworren ist die Situation, zu unklar die Perspektive. Alle Erzählungen der Menschen über ihren gegenwärtigen Alltag, ihre Sorgen und Nöte aber auch ihre Freuden und Glücksmomente sind so verschieden, wie es Menschen gibt. Vielleicht werden wir einmal fragen: Was hast Du eigentlich gemacht, als die Corona-Epidemie durch die Länder fegte? Wo warst Du? Wie hast du das erlebt? - Und wir werden alle etwas zu erzählen haben. In diesem Jahr ist alles anders. Manche unter uns erleben sich selbst wie gelähmt, andere tun, als wenn nichts wäre, wieder andere suchen hektisch nach Wegen des Umgangs mit dem neuen Alltag. Menschen freuen sich an der plötzlichen Ruhe und andere ängstigen sich vor einem Alltag auf engem Raum und mit den Lieben, die vielleicht in der Unmittelbarkeit nicht mehr nur lieb sind. Und ganz viele haben einfach Angst.

Übertragen auf unsere Tage heute frage ich mich: Wenn das Weizenkorn nun in der Erde liegt und erstirbt und daraus der neue Keim wächst – wie wird dann der Keimling aussehen? Noch liegt er in der Erde. Noch wissen wir nicht, ob er überhaupt wächst (nicht alle Körner keimen ja). Das auszuhalten ist hart. Werden wir Menschen in unserer Nähe sterben sehen? Davor haben wir Angst. Und das keimende Korn - was für ein Grün wird es haben?

Wir wissen nicht, wie es sein wird, wenn das alles hier zu Ende geht, wenn es eines Tages heißen wird: Die Epidemie ist überwunden. Jesu Zusage in unser Hier und Jetzt aber ist: Es wird grünen, es wird Auferstehung geben – das ist sicher. Das möge in uns Gelassenheit schaffen, das soll uns mit Gottvertrauen erfüllen. Unsere Kraft liegt in der zugesagten Hoffnung. Unsere Orientierung liegt in dem Mut machenden Ruf: „Freuet euch!

Dem Volk Israel wird das zugerufen in einer Zeit, als es um 520 vor Christus aus dem babylonischen Exil nach Juda zurückkehrte. Die Enttäuschung war groß. Anstelle der prophezeiten Heilszeit erwartete die Menschen ein sehr karges und hartes Leben. Kein glänzendes Jerusalem mit Gott in der Mitte. Sie hatten es gut, da in Babylon, jedenfalls viele. Und nun? So mancher Rechtsstreit begleitete die Inbesitznahme der alten Heimat. Kriegerische Unruhen und ein zerstörtes Heiligtum boten alles andere als eine gute Voraussetzung für kultisches Leben. Kurz gesagt: Es war deprimierend. Und da ruft Gott durch den Propheten Jesaja:

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Am Sonntag Lätare feiern wir schon ein bisschen Ostern. Ein Ostern nicht nur aus Hoffnung heraus, sondern aus der Gewissheit auf Auferstehung. Und auch jetzt schon – in diesen besonderen Tagen und Wochen im Jahr 2020 - nährt sich die Gewissheit aus dem Erleben und den Erfahrungen unseres Alltags: Wo Kinder froh darüber sind, aus den strengen Abläufen des Lebensalltags plötzlich befreit zu sein und sie so zu eigenem finden. Wo Menschen neu erkennen, worauf und auf wen es vielleicht am meisten ankommt. Wo ich selbst mich – zaghaft noch- der neuen Ruhe hingebe.„Ihr werdet`s sehen und euer Herz wird sich freuen“ (Jes. 66,14).

Amen.

 

 

Lied

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt (EG98)

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 Liedbegleitung von unserer Kirchenmusikerin Nadine Klusacsek am Flügel in der Kirche Zum guten Hirten:

 

Fürbittengebet

Guter Gott,
vor dich bringen wir das Geschehen unserer Tage,
all unsere Irritationen, unsere Sorgen und Ängste, unsere Not.

Wie ein gutes Korn, dass in der Erde versinkt,
so versinken viele unserer schönen Vorhaben in der Besonderheit dieser Zeit.
Unsere Planungen sind zunichte, vieles wird nicht geschehen können.
Wir sind irritiert, hilflos, oft traurig, manchmal gar verzweifelt.
Guter Gott, sieh uns.

Guter Gott, sieh aber besonders die Erkrankten. Sieh die Sterbenden. Sieh die Angehörigen.
Sei Ihnen nahe.

Sei bei den Einsatz- und Hilfskräften, den Ärztinnen und Ärzten, den Pflegenden und alle, die es braucht, das Leben zu bewahren. Schenke Ihnen Energie und Standhaftigkeit.

Sei bei allen, die unsere Versorgung aufrecht erhalten und dabei besonderer Gefahr ausgesetzt sind. Schütze sie.

Sei bei allen, die nun ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können und sich um den Verlust ihres Arbeitsplatzes sorgen. Schenke ihnen Zeichen, dass sie der Solidarität in der Gesellschaft gewiss sein können.

Sei bei den Armen und Obdachlosen, die die Situation besonders hart trifft. Stell ihnen helfende Menschen an die Seite.

Sei bei allen, die Verantwortung tragen in der Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und der Kirche.
Lass sie kluge Entscheidungen treffen.

Guter Gott, sei bei uns. Lass uns in der österlichen Hoffnung durch unsere Tage und Nächte gehen.

Amen.