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Andacht, Lieder, Fürbitten von Prädikant Hajo Fentz

Foto von pixabay

 

"Alle eure Dinge lasst in Liebe geschehen“

 

Seien sie herzlich gegrüßt an diesem Sonntag – es ist ein besonderer Sonntag, denn der dreijährige Paul wird getauft. Er steht heute im Mittelpunkt.

Es gibt aber noch Jemanden, der genauso wichtig ist: und das ist der liebe Gott. Weil Gott uns nämlich mit der Taufe in die weltweite Gemeinschaft aller Christinnen und Christen aufnimmt und uns das Versprechen gibt: „Ihr könnt euch darauf verlassen: ich bin immer und überall bei euch, jeden Tag, bis zum Ende dieser Welt.“ (Matthäus 28, 20).

Pauls Eltern und Paten haben sich einen Taufspruch aus dem 1. Korintherbrief ausgesucht, einen Spruch, der sozusagen als Überschrift über seinem ganzen Leben stehen soll:

„Alle eure Dinge lasst in Liebe geschehen“ (1. Korintherbrief 16, 14)

 

 

Lied

Gottes Liebe ist wie die Sonne

https://www.youtube.com/watch?v=eK2A1Oy4epc

Refrain: Gottes Liebe ist wie die Sonne: sie ist immer und überall da (2x)

1. Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf.      Refrain
2. Sie kann dich verändern, macht das Leben neu.    Refrain
3. Mag auch manche Wolke zwischen dir und Gottes Liebe stehn.    Refrain
4. Gib diese Lieber weiter auch an den, der dich nicht lieben will.    Refrain

 

 

Hymnus an die Liebe

aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kap. 13 (Übersetzung: A. Kammermayer)

Stellt euch vor:
Wenn ich in allen Sprachen der Welt, ja sogar mit Engelszungen reden könnte,
aber ich hätte keine Liebe,
so wären alle meine Worte leer, ohne jeden Klang,
wie schepperndes Blech und dröhnende Trommeln.

Wüsste ich alle Geheimnisse des Himmels und könnte aus göttlicher Eingebung reden,
hätte ich alle Weisheit der Welt und einen Glauben, der Berge versetzt,
aber ich hätte keine Liebe, so wäre ich nichts.

Selbst wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenken
und für meinen Glauben das Leben opfern würde,
hätte aber keine Liebe, dann wäre alles umsonst.

Die Liebe ist geduldig und freundlich.
Sie kennt keine Eifersucht, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab.
Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil.
Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen und trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht, wenn anderen Unrecht geschieht, sondern freut sich, wenn das Gute siegt.
Die Liebe ist immer bereit zu verzeihen.
Sie glaubt an das Gute im Menschen und gibt Niemanden auf.
Nie verliert sie die Hoffnung – sie hält durch bis zum Ende.

Die Liebe wird niemals vergehen.
Alle menschliche Kenntnis von Gott wird verwehen, prophetische Eingebung hört auf, das Reden in unverständlichen Sprachen verstummt.
Denn Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser Reden von Gott.
Wenn aber das Vollkommende da ist, ist es mit dem Stückwerk vorbei.

Als Kind redete ich, dachte und urteilte ich wie ein Kind. Jetzt bin ich erwachsen und habe das kindliche Wesen abgelegt.
Was wir jetzt sehen und erkennen, sehen wir undeutlich und wie durch einen trüben Spiegel verzerrt.
Einmal aber werden wir Gott sehen, wie er ist.
Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich Gott ganz klar erkennen, so vollkommen, wie er mich jetzt schon sieht und liebt. 

Was also in unserem Leben zählt, ist Glaube, Hoffnung und Liebe,
diese drei – das Größte aber ist die Liebe.

 

 

Glaubensbekenntnis

(Jörg Zink, 1965)

Ich glaube, dass ich nie allein bin. Gott ist bei mir.

Aber noch mehr: ich bin auch unter Menschen nie allein.
Denn um mich herum ist die große Gemeinschaft der Kirche.
Sie besteht aus Menschen, die der heilige Gott liebt, und heißt deshalb heilig.

Sie ist nicht nur in meiner Gemeinde oder in meinem Land.
Sie ist überall, in allen Ländern der Welt, in allen Erdteilen
und unter den Menschen aller Kulturen.
Und ich gehöre zu ihr.

Ich erkenne sie an der Taufe, am Zeichen des Wassers.
Ich erkenne sie am heiligen Mahl, an Brot und Wein, in denen Christus bei ihr ist.
Ich erkenne sie daran, dass ich Menschen treffe, die von Jesus reden und die sein Wort und seinen Willen weitersagen.

Ich glaube, dass wir ganz dicht zusammengehören, wir Christen, obwohl uns vieles trennt.

Ich glaube, dass die, die dem heiligen Gott zugehören und darum „Heilige“ heißen, rund um unsere Welt her eins sind, weil Christus uns zusammenhält.
Amen.

 

 

Lied

Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten

https://www.youtube.com/watch?v=gfvMuXk1448

Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun,
können das Gesicht der Welt verändern, können nur zusammen das Leben bestehn.
Gottes Segen soll sie begleiten, wenn sie ihre Wege gehn.

 

 

Gedanken zur Erzählung vom barmherzigen Samariter

(Lukas 10, 25 – 37)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Amen.

„Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich (…) und möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“ So steht es in § 323, Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

So weit, liebe Gemeinde, hat es also das Gebot der Nächstenliebe geschafft!
Und dieses sogenannte „Doppelgebot der Liebe“ ist uralt: es steht bereits im dritten und fünften Buch Mose, wurde also vor mehr als 3000 Jahren aufgeschrieben. Jesus erweitert es nochmal radikal: weg vom „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (2. Buch Mose 21, 23) hin zu:

„Liebt eure Feinde! Segnet, und tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die Menschen, die euch Böses wünschen, und betet für alle, die euch beleidigen!“ (Lk. 6, 27). So zitiert ihn das Lukas-Evangelium.

Paulus und Petrus stellen nach Jesu Tod und Auferstehung diesen Satz und diese Botschaft ganz selbstverständlich ins Zentrum ihrer Verkündigung, und zwar nicht als Utopie einer fernen Zukunft, sondern als konkrete Handlungsanweisung für uns Christinnen und Christen: die Liebe ist Grundlage allen menschlichen Miteinanders.

Und wenn man auf der Schlossstraße Passantinnen und Passanten nach dem Kern christlichen Glaubens fragen würde, bekäme man wohl häufig diese Antwort: „die Nächstenliebe ist´s, was das Christentum ausmacht.“

In der Rahmenhandlung der Geschichte vom barmherzigen Samariter ist sowohl dem fragenden Schriftgelehrten als auch für Jesus die Antwort eigentlich klar: gutes Miteinander und gelingendes und ewiges Leben gibt es nur dann, wenn man Gott und die Mitmenschen und sich selbst liebt.

Am Beispiel des barmherzigen Samariters macht Jesus – mit dickem Pinselstrich und kräftigem schwarz-weiß-Klischee – deutlich, wie radikal und radikal einfach er das Liebesgebot des ersten Testaments versteht:

Da wird ein Mann von einer Gang zusammengeschlagen, ausgeraubt und halbtot in den Graben geworfen. Und ausgerechnet zwei religiöse Würdenträger kommen an diesem Mann vorbei, sehen ihn und – gehen weiter; warum, wird nicht gesagt. Vielleicht haben sie wichtige Termine in Jericho, vielleicht haben sie Angst, sich schmutzig zu machen. Auf jedem Fall tun sie noch nicht mal das Allernötigste. Nach heutigem deutschen Recht hätten sie sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht: 2 Jahre Gefängnis – Priester hin, Tempeldiener her.

Und so wird bei Jesus ein Samariter zum Lebensretter für den Verletzen. Ausgerechnet so einer! Es stand nämlich schlecht um die Beziehungen zwischen samaritanischen und judäischen Juden: 1000 Jahre zuvor – nach dem Tod von König Salomo – war es nämlich zum Streit um dessen Erbe gekommen. Israel wurde deshalb aufgeteilt in ein Nordreich, das von Samaria aus regiert wurde, und in ein Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem.

In den folgenden 500 Jahren lebten beide Gruppen in mehr oder weniger gespannter Koexistenz nebeneinander her. Doch ein richtig heftiger Konflikt brach aus, nachdem der Tempel in Jerusalem wiederaufgebaut wurde. Denn jetzt kam die Frage auf: „wo wohnt eigentlich Gott“?

Im Südreich behauptete man jetzt: natürlich bei uns, im neuen Tempel in Jerusalem! Wo denn sonst! Diese schmachvolle Herabsetzung wollten die Samariter aus dem Nordreich nicht auf sich sitzen lassen: ihre Theologen suchten in der Thora nach einer Bibelstelle, die ihnen die älteren Rechte auf Gottes Gegenwart zusprach. Und natürlich wurden sie fündig, denn mit der Bibel in der Hand kann man – wenn man will – ja so ziemlich alles begründen!

Also: war denn nicht auf dem Berg Garizim (der im Staatsgebiet der Samariter lag) vor langer Zeit das Volk Israel von Gott gesegnet worden? Und das war doch noch weit vor dem Bau des Tempelneubaus in Jerusalem gewesen! Kurzum errichteten die Samariter einen Konkurrenz-Tempel, und seitdem erhoben beide „Konfessionen“ Anspruch auf die wahre und exklusive Gegenwart Gottes. Was für eine Rechthaberei, aber aus damaliger Sicht keine Petitesse – denn: in Wahrheit geht es doch immer um Macht!

Wem also ist Gott nahe und wem nicht?
Wer hat den wahren Gott, den einzigen Glauben, die richtige Religion, die bessere Konfession?

Gott wurde schon immer – und bis heute – benutzt, instrumentalisiert und missbraucht zur Rechtfertigung von Hass und Gewalt: für Glaubenskriege zwischen Katholiken und Protestanten, für Selbstmordattentate im Namen Allahs, des „größten Gottes“ und für Judenfeindlichkeit, die uns ja gerade kürzlich wieder in Kassel eingeholt hat.

In seiner Erzählung mit dieser sehr klischeehaften Konstellation der handelnden Personen (fromme Diener Gottes auf der einen Seite und verhasstem Sektierer auf der anderen Seite) zeigt uns Jesus, worauf es ihm ankommt im Miteinander der Menschen, und was für ihn das Fundament ist für gelingendes und erfülltes Leben:

nicht die Religion, die Liebe macht´s! Und Liebe ist übrigens völlig unabhängig davon, welcher Religion oder Konfession ich angehöre, sogar unabhängig davon, ob ich überhaupt an Gott glaube.

Jesus geht es nicht um die mechanische Erfüllung religiöser Gesetze. Gottes Gebot erfüllen wir durch Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit, Großmut und Liebe. Dann können wir gar nicht anders, dann gilt das „Geh, und folge seinem Beispiel!“ auch ganz selbstverständlich für uns.

Sie, liebe Tauffamilie, wissen auch darum, und sie haben bei Paul gewiss schon ein gutes Fundament gelegt durch die Liebe, die sie ihm vorleben und die sie ihm schenken. Denn der Taufspruch, den sie für ihren Sohn ausgewählt haben, der sagt´s ja auch:

„Alle eure Dinge lasst in Liebe geschehen“.

So soll es sein. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

 

 

Fürbittengebet

Gott der Liebe,
du hast die Welt geschaffen und auch uns
und durch die Taufe sind wir deine geliebten Kinder.
Lass uns deine Liebe weitergeben und zeige uns, wo wir gebraucht werden.

Höre unsere Bitten und erbarme dich.

Wir bitten dich für deine Schöpfung um unserer Kinder und Kindeskinder willen:
schenke uns, dass wir deine Welt mit Liebe und Verantwortung betrachten.
Mache Jedem von uns bewusst, wo wir selbst handeln können in unserem Alltag.
Gib den Verantwortlichen dieser Welt Einsicht, Weisheit und Konsequenz die Weichen umzustellen und den Klimawandel aufzuhalten.

Höre unsere Bitten und erbarme dich.

Wir bitten dich für deine Welt um unserer Kinder und Kindeskinder willen:
Gib Frieden. In der Ukraine, im Jemen, und in all den anderen Kriegsgebieten, von denen wir kaum etwas hören.
Wir bitten Dich für die vielen Menschen, die täglich um ihr Leben fürchten,
und für die, die flüchten konnten. Stehe ihnen bei.
Hilf uns den Frieden zu schützen.
Schenke uns nicht nur Mitleid, sondern lass uns mitdenken und mithelfen, wie wir zum Frieden beitragen können.

Höre unsere Bitten und erbarme dich.

Wir bitten dich für deine Johann-Sebastian-Bach-Gemeinde und deine weltweite Kirche.
Hilf uns, dich glaubwürdig zu bezeugen und deine Liebe weiter zu schenken.
Wir bitten dich für Paul und seine Familie und für uns alle, die wir durch die Taufe deine Kinder sind.
Dir vertrauen wir uns an, Gott der Liebe
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn. Amen.

 

 

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

 

 

Lied

Wo Menschen sich vergessen

https://www.youtube.com/watch?v=gaUVv2pkB10

 

 

Segen

Geht als Gesegnete des Herrn:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

 

 

Informationen:

Am Sonntag, 26. Juni um 18.00 Uhr gibt es ein Konzert zu „Corellis Cousinen“. Sabine Erdmann begleitet am Cembalo die Flötistin Leila Schoeneich.

Der Gottesdienst am nächsten Sonntag, 3. Juli, beginnt erst um 12.00 Uhr und findet im Gemeinde-garten statt. Pfarrerin Schöne hält ihn und mit dabei sind unser Chor unter der Leitung von Marion Meyer, und Sabine Erdmann spielt am Klavier.

Anschließend feiern wir unser Sommerfest mit einer ukrainischen Tanzgruppe und unserem Instrumentalensemble. Es gibt außerdem kulinarische Köstlichkeiten, Angebote für die Kinder auf
dem Kita-Spielplatz, und das Wasser im „Bach“ läuft.

Wir freuen uns über Spenden von Kuchen und Salaten und über Mithilfe an den Ständen und beim Aufbau der Stühle und Tische (bitte in der Küsterei melden).

Die heutige Kollekte geht als Innenkollekte an die Bahnhofsmission und als Außenkollekte an unsere Kindergottesdienstarbeit: unsere Lätzchen sind noch nicht ganz finanziert.

Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: 26. Juni 2022
Wir leiten Ihre Kollekte zu 100% weiter! Gern senden wir auch eine Spendenbescheinigung zu.