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Andacht, Lieder, Fürbitten von Prädikant Hajo Fentz

 

Bild von Ethereaum auf Pixabay

 

„Ein Gott, der mich sieht“

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gerade einmal 3 Wochen ist das neue Jahr alt, und deshalb ist es noch nicht zu spät, dass wir uns gemeinsam Gedanken zu machen über die Jahreslosung. In diesem Jahr, finde ich, gibt es eine besonders schöne und bestärkende, die darüber hinaus noch den unschlagbaren Vorteil hat, dass man sie sich gut merken kann: „Du bist ein Gott, der mich sieht“, aus dem ersten Buch der Bibel, aus dem ersten Buch des ersten Testaments, aus dem ersten Buch Mose, aus der Genesis, 16, 13.

Die Jahreslosung ist ein Spruch aus der Bibel, der aus einer Sammlung markanter Bibelworte für ein entsprechendes Jahr ausgelost wird. Dieses Bibelwort soll Christinnen und Christen dann das ganze Jahr über begleiten und weisen und stärken. Seit 1930 gibt es diese Tradition. Initiiert wurde sie vom damaligen Reichsverband weiblicher Jugend und vom Dachverband der Evangelischen Jungmännerbünde, dem Vorgänger des CVJM.

„Du bist ein Gott, der mich sieht“: Juden wie Christen vertrauen darauf, dass uns ein guter und treuer Gott durch’s Leben begleitet und uns durch die Stürme des Lebens trägt.

 

Lied

Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324, 1, 2, 7, 13)

1) Ich singe dir mit Herz und Mund,
Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund,
was mir von dir bewusst.

2) Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad
und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat
viel Heil und Gutes fließt.

7) Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir,
du, du musst alles tun,
du hältst die Wach an unsrer Tür
und lässt uns sicher ruhn.

13) Wohlauf, mein Herze, sing und spring
und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding,
ist selbst und bleibt dein Gut.

(Wilfried Mann, Wetzlarer Jugendchor, Margret Birkenfeld, 1987: https://music.youtube.com/watch?v=2MieCZGpc5Y)

 

Psalm 139

Herr, du hast mich erforscht und kennst mich genau.
Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es. Meine Absicht erkennst du von fern.
Ob ich gehe oder ruhe: Du merkst es. Alle meine Wege sind dir bekannt.
Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge, schon weißt du, Herr, was ich sagen will.

Von hinten und von vorn hast du mich umfasst und hast deine Hand auf mich gelegt.
Zu wunderbar ist dieses Wissen für mich. Es ist mir zu hoch: Ich kann es nicht begreifen.

Wohin könnte ich gehen vor deinem Geist, wohin fliehen vor deiner Gegenwart?
Würde ich in den Himmel steigen: Du bist dort.
Würde ich mich in der Unterwelt verstecken: Dort bist du auch.
Würde ich hochfliegen, wo das Morgenrot leuchtet,
mich niederlassen, wo die Sonne im Meer versinkt:
Selbst dort nimmst du mich an die Hand und legst deinen starken Arm um mich.

 

Tagesgebet

Du bist ein Gott, der mich sieht:
der mir Ansehen gibt und mich unendlich liebt.
Du bist ein Gott, der mich hört:
Der mein Leben versteht und den Weg mit mir geht.
In der Seele verletzt und ins Abseits versetzt: auch dann bist du für mich da.
In Gedanken verrannt, alle Kräfte verbrannt: doch jetzt sprichst du zu mir.
Die Erschöpfung, die Last, meine Schwäche, die Hast: all das lass ich hier bei dir.

Denn: du bist ein Gott, der mich sieht:
der mir Ansehen gibt und mich unendlich liebt.
Du bist ein Gott, der mich hört:
Der mein Leben versteht und den Weg mit mir geht.
Du bist ein Gott, der mich sieht...

 

Evangelium

Markus 4, 35 – 41

Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wir wollen ans andere Ufer fahren.“ Sie ließen die Volksmenge zurück und fuhren mit dem Boot los, in dem er saß. Auch andere Boote fuhren mit.

Da kam ein starker Sturm auf. Die Wellen schlugen ins Boot hinein, sodass es schon volllief. Jesus schlief hinten im Boot auf einem Kissen. Seine Jünger weckten ihn und riefen: „Lehrer! Macht es dir nichts aus, dass wir untergehen?“

Jesus stand auf, bedrohte den Wind und sagte zum See: „Werde ruhig! Sei still!“ Da legte sich der Wind, und es wurde ganz still.

Jesus fragte die Jünger: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr immer noch keinen Glauben?“
Aber die Jünger überkam große Furcht. Sie fragten sich: „Wer ist er eigentlich? Sogar der Wind und die Wellen gehorchen ihm!“

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

 

Lied

Du bist da (SJ 100)

1) Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, am Grund aller Fragen bist du.
Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht (2x).
Nähme ich Flügel der Morgenröte, bliebe am äußersten Meer,
schliefe ich ein im Reich der Toten, würde statt Nacht Licht um mich sein.

2) Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, im Arm einer Mutter bist du.
Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht (2x).
Sitze ich da oder leg mich nieder, mache mich auf und steh.
Meine Gedanken kennst du von Ferne, weißt ganz genau, wohin ich geh'.

3) Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, das Rätsel des Lebens bist du.
Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht (2x).
Stehe ich staunend am Strand und träume, zähle die Körner im Sand.
Lote ich aus die Meerestiefe, sehe hinaus ins Sternenhaus.

4) Du bist da, du bist da, bist am Anfang der Zeit, auch jenseits der Sterne bist du.
Bist am lichten Tag, im Dunkel der Nacht hast du für mich schon gewacht.

(Jan von Lingen, 2018: https://music.youtube.com/watch?v=N9-gKld09ZU)

 

Gedanken zur Jahreslosung 2023

„Du bist ein Gott, der mich sieht“ (Gen. 16, 13)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

„Du bist ein Gott, der mich sieht“: Juden wie Christen glauben daran, dass Gott nicht irgendein universelles Prinzip ist oder eine ferne Macht, sondern dass Gott mit Jeder und Jedem von uns eine ganz persönliche Beziehung haben will.

Juden wie Christen vertrauen darauf, dass Gott um uns ist und bei uns; dass er sie und mich durchs Leben begleitet und durch die Stürme des Lebens hindurch trägt.

Dieser Blick Gottes auf uns ist kein „big-brother-is-watching-you“-Blick. Seine Augen schauen uns und mich mit Liebe an, mit Güte und Verständnis, auch wenn er wahrscheinlich die Augen so manches Mal verdreht, wenn er all das sieht, was ich – und was Jede und Jeder von uns – im Laufe des Lebens so verbockt.

Die Geschichte, aus der dieser Bibelspruch stammt, finde ich übrigens richtig spannend: „Lindenstraße“, „GZSZ“ oder „Sturm der Liebe“ sind rein gar nichts dagegen. Hier ist sie:

Eventuell 2000 vor Christus macht Terach einen Umzug aus der Stadt Ur – im Süden des heutigen Irak – nach Haran in der heutigen Türkei. Mit von der überaus anstrengenden Partie sind sein Sohn Abram und dessen Halbschwester und Frau Sarai. Terach stirbt in Haran im stolzen Alter von 205. Sohn Abram wird nun von Gott erneut zu einem Umzug aufgefordert, nämlich in ein Land, das er ihm dann schon noch zeigen werde. Außerdem würden seine Nachkommen außerordentlich zahlreich sein, und er, Abram, werde ein Segen für alle Völker werden.

Abram vertraut diesen vagen Versprechungen und zieht mit seiner Frau Halbschwester + ganzer Sippe + ganzer Dienerschaft nach Kanaan, dem heutigen Palästina. Und da ist Abram immerhin auch schon 75.

Da ist es nicht besonders verwunderlich, dass es mit der versprochenen Nachkommenschaft nicht mehr so recht klappen will: Abram ist inzwischen nämlich 86, seine Frau Sarai wird wenig jünger sein; selbst für die heutige Fertilitätswissenschaft ein hoffnungsloser Fall.

Was tun? Man sucht sich – bereits damals wie heute – eine Leihmutter.

In diesem Fall sucht Sarai für ihren Mann Abram die Hagar, eine Sklavin aus dem Hause Abraham. Hagar wird tatsächlich schwanger, doch je dicker ihr Bauch wird, desto größer wird auch Sarais Neid und Eifersucht: was hat sie da bloß angerichtet? Schließlich kommt da jetzt ein Kind zur Welt, das ihren Status als Ehefrau schwächen und das eventuell Hagar in die Arme Abrams treiben wird.

Ihren Frust lässt Sarai – wir ahnen es – an Hagar aus: sie behandelt die Sklavin so schlecht, dass die beschließt, dorthin zu fliehen, wo keiner sie findet: in die Wüste.

Dort ist die Hochschwangere allein, ohne jeden Beistand und dem Tode nahe. Doch in dieser Situation findet sie plötzlich genau das, was ihr und dem werdenden Kind die Rettung bringt: eine Wasserquelle. Und nicht nur die, denn gleich daneben steht einen Engel. Nach kurzem, einleitendem Smalltalk – „Wo kommst Du denn her?“ und „Wo willst du denn hin?“ – folgt eine göttliche Ermahnung und eine göttliche Ermutigung: „Kehre zu deiner Herrin zurück und ordne dich ihr unter!“ Aber auch: „Ich werde deine Nachkommen so zahlreich machen, dass man sie nicht zählen kann.“

Hagar, eben noch dem sicheren Tod gerade mal so von der Schippe gesprungen, ist nun erfüllt mit neuer Hoffnung. Und sie weiß genau, wem sie ihr Überleben zu verdanken hat: „Du bist ein Gott, der mich sieht."

Das alles klingt wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht: über viele Generationen hinweg an den Lagerfeuern Israels erzählt und von Mal zu Mal vermutlich kreativ erweitert. Ein Märchen, das dann – so um das Jahr 1000 vor Christus – aufgeschrieben wurde, und danach als eine der Abrahamsgeschichten einfloss in das erste Buch der Bibel, in das Buch Genesis.

Ein Buch übrigens, das es in sich hat, und das ein überreiches Füllhorn von Geschichten enthält, die jeder von uns kennt: die Schöpfung der Welt, Adam und Eva, Kain und Abel, Noah, die Sintflut und die Arche, der Turmbau von Babel, die Abrahamsgeschichten, Sodom und Gomorrha, Jakob und seine Brüder.

Viele dieser Geschichten erzählen ganz überwiegend und ganz nüchtern vom Menschen, wie er ist – zumindest auch ist; sie erzählen nämlich von: Mord und Totschlag, von Vergewaltigung und Missbrauch, von Menschenhandel und Sklaverei, von Erniedrigung und Demütigung.

All diese Geschichten erzählen aber auch von Gott, der uns und unser Treiben sieht; der es wahrscheinlich schon tausendmal bereut hat, uns Menschen als Krone der Schöpfung erschaffen zu haben. Sie erzählen von Gott, der – wenn‘s ihm nun wirklich mal zu bunt wird – mit Strafen pädagogisch einzugreifen versucht und – natürlich – meistens kläglich scheitert.

Und der dennoch seine Schöpfung liebt, der die Menschheit nicht fallen lässt und der jedem Menschen nahe sein will und dich und mich ganz persönlich sieht.

Und spätestens seit Jesus wissen wir: es ist ein Gott, der mich mit Wärme und Güte durchs Leben begleitet, mit Barmherzigkeit und Liebe.

Das ist der Gott, der mich sieht.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft,
der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

 

Fürbittengebet

Guter Gott,
du bist ein Gott, der uns mit Liebe ansieht.
Sende uns solch einen Engel wie bei Hagar, denn wir brauchen Mut und Phantasie, Hoffnung und Zuversicht.
Gott, sende deine Engel zu den Kranken, Sterbenden, Trauernden.
Sende deine Engel zu denen, die die nicht müde werden, anderen beizustehen
und die anderen zu Engeln werden:
zu den Ärzten und Pflegkräften,
zu den Rettungskräften bei Feuerwehr und Polizei,
bei den Hilfs- und Versorgungsdiensten.
Herr, erbarme dich.

Gott, sende deine Engel zu allen, die unter den Kriegen dieser Welt leiden;
die verletzt und an Leib und Seele verstümmelt werden; die vergewaltigt und gefoltert werden.
Sei mit deinen Engeln bei denen, die ihre Heimat verloren haben und die bei uns ein neues Zuhause suchen:
Herr, erbarme dich.

Gott, sende deine Engel zu denen, die Verantwortung tragen im Staat, in der Politik, in den Kirchen. Dass sie ihre Macht und ihren Einfluss einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit.
Herr, erbarme dich.

Guter Gott,
du bist ein Gott, der uns mit Liebe ansieht.
Lass auch uns gegenseitig zu Engeln werden und uns mit Liebe begegnen.
Du bist ein Gott, der mich sieht.
Du bist ein Gott, der uns sieht.
Du bist ein Gott, der uns nicht verlässt – jetzt und allezeit,
Amen.

Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes. Und so dürfen wir beten, wie Christus es uns beigebracht hat:

 

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

 

Lied

Der Herr segne dich (SJ 73)

Der Herr segne dich und behüte dich, und Freude leuchtet über deinen Wegen.
Der Herr segne dich und behüte dich, in seine Hände kannst du alles legen.
Amen, Amen, Amen, du gehst nicht allein. Amen, Amen, Amen, es wird Friede sein.

Der Herr segne dich und behüte dich, der auch den fernsten Stern beim Namen nennt.
Der Herr segne dich und behüte dich; er ist’s, der auch dein Licht und Dunkel kennt.
Amen, Amen, Amen, du gehst nicht allein. Amen, Amen, Amen, es wird Friede sein.

Der Herr segne dich und behüte dich, er ging für dich den Weg, der Liebe heißt.
Der Herr segne dich und behüte dich; er leitet dich mit seinem guten Geist.
Amen, Amen, Amen, du gehst nicht allein. Amen, Amen, Amen, es wird Friede sein.

 

Segen

Geht als Gesegnete des Herrn:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

 

Informationen

Den Gottesdienst am nächsten Sonntag, 29.01.2023, 10:00 Uhr, hält Pfarrer Martin Ost, die musikalische Gestaltung hat Sabine Erdmann.

Der Gemeindekirchenrat hat in seiner letzten Sitzung die Beendigung aller Corona-Hygiene-Maßnahmen in unserer Gemeinde beschlossen. Masken und Desinfektionsmittel sind weiterhin vorhanden.

Herzliche Einladung zum Mitsingen in unserem Chor. Das macht gute Laune! Jeden Montag von 19 bis 21 Uhr.

Pfarrerin Schöne ist vom 23.01. – 05.02.2023 in Klausur bzw. im Urlaub.