Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann (Offenbarung 21, 2)



Dieser 2. Vers aus dem 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes, oder wie sie auch genannt wird, der Apokalypse, wirkt für uns völlig unverständlich. Dieses letzte Buch unserer Bibel war schon immer bei Sekten aller Art beliebt, die wie bei einem Steinbruch Sätze aus dem Zusammenhang rissen und damit das genaue Datum des Weltuntergangs bestimmen wollten oder den  Anbruch des „Tausendjährigen Reiches“ (Offb. 20,4) ausriefen. Martin Luther - „mein Geist will sich in dies Buch nicht schicken“  - sah diese Gefahr des vorsätzlichen Missbrauchs realistisch, aber zu verhindern ist Missbrauch niemals.

Der Text der Offenbarung ist nicht der genaue Fahrplan für die Zukunft oder ein vorweggenommener Tatsachenbericht über das Ende der Welt. Er ist vor fast 2000 Jahren entstanden nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer in einer Zeit  der Hoffnungslosigkeit und der massiven Verfolgung.  Die Offenbarung ist ein Mutmach-Buch und beschreibt in starken Bildern die Vision der Hoffnung und Gottes Versprechen des kommenden Sieges der Kräfte des Guten über das Chaos und das Böse. Das „neue Jerusalem“ steht für das kommende Gottesreich. Vor unserem Vers heißt es: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr“ und in Vers 4: „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ Im 2. Petrusbrief Vers. 13 heißt es: „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ Dieses Warten ist für Christinnen und Christen nichts, was mit Abwarten und Untätigkeit gleichzusetzen ist. Wir sollen, wie es der große Theologe Karl Barth nannte,  auf das Reich Gottes „tätig warten.“ Wir können Gottes Reich nicht herbeizwingen, aber es geht im Hier und Jetzt um die Versöhnung der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander. Und es geht um Gerechtigkeit. Und die ist nicht exklusiv für wenige. Diese Gerechtigkeit gilt für alle und jeden, ungeachtet der Herkunft und des Aussehens. Jeder Mensch ist in christlicher Sicht einzig und zu respektieren. Und er ist zu schützen. Nur dann haben wir wirklich aus den Tragödien der Vergangenheit gelernt und begonnen, alles neu zu machen.

Dr. Ulrich Peter