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Psalm, Musik, Andacht und Fürbittengebet von Pfarrerin Brigitte Schöne und Sabine Erdmann


Foto: Pixabay
…das Wort Gottes ganz nahe bei dir, in deinem Herzen, dass du es tust…

Wonach richten Christen ihr Leben aus? Die Bibel enthält eine Fülle einzelner Gebote und Verbote und zugleich gibt es wunderbare Zusammenfassungen. Wir finden Sätze, die genau auf den Punkt bringen, was wichtig ist. Einer dieser Sätze ist der Wochenspruch, das Leitwort für die kommende Woche:

"Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe." (1. Joh. 4,21)

Sätze wie diesen lesen und sich Zeit dafür nehmen, darüber nachdenken, auch ordentlich grübeln, den Satz verinnerlichen…das gibt uns wichtige Orientierungen für unser Leben miteinander. Nahezu wie von selbst erkennen wir, was zu tun ist und was zu lassen. Wir wissen ja: wenn wir etwas tief in uns haben, sozusagen „by heart“ kennen, wenn wir inwendig damit vertraut sind, dann ist es leicht, Entscheidungen zu treffen und zu handeln.

Seien sie herzlich begrüßt, liebe Leserinnen und Leser in nah und fern.

Lied

Wohl denen, die da wandeln (EG 295, 1-4)

1) Wohl denen, die da wandeln
vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln
und leben allezeit;
die recht von Herzen suchen Gott
und seine Zeugniss' halten,
sind stets bei ihm in Gnad.


2) Von Herzensgrund ich spreche:
dir sei Dank allezeit,
weil du mich lehrst die Rechte
deiner Gerechtigkeit.
Die Gnad auch ferner mir gewähr;
ich will dein Rechte halten,
verlaß mich nimmermehr.


3) Mein Herz hängt treu und feste
an dem, was dein Wort lehrt.
Herr, tu bei mir das Beste,
sonst ich zuschanden werd.
Wenn du mich leitest, treuer Gott,
so kann ich richtig laufen
den Weg deiner Gebot.


4) Dein Wort, Herr, nicht vergehet,
es bleibet ewiglich,
so weit der Himmel gehet,
der stets beweget sich;
dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit
gleichwie der Grund der Erden,
durch deine Hand bereit'

Psalm 1

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder
noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
sondern hat Lust am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,
sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten,
aber der Gottlosen Weg vergeht.

Gebet

Guter Gott,
einfach und klar sind deine Gebote.
einfach und klar
möchten auch wir werden
bis auf den Grund unseres Lebens.
Dazu hilf uns durch die Kraft deines Geistes. Amen

 

Manche Wendungen aus unserer Bibel haben sich tief in unserem Gedächtnis eingeprägt. Zum Beispiel diese: „Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel…“. Aus welchem Zusammenhang dieser Satz kommt, hören wir heute. Er stammt aus dem Markusevangelium und ist Teil des Evangeliums für den heutigen Sonntag.

Evangelium

Markus 10,17–27
Und als er hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott. Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.« Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.

Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!  Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? Jesus sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Ehr sei dir o Herr – lob sei dir o Christ.

Lied

Wir strecken uns nach dir (EG Jubilate 123, 1-3)

1) Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit.
Wir trauen uns zu dir, in dir wohnt die Barmherzigkeit.
Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen.
Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.


2) Wir öffnen uns vor dir, in dir wohnt die Wahrhaftigkeit.
Wir freuen uns an dir, in dir wohnt die Gerechtigkeit.
Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen.
Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.


3) Wir halten uns bei dir, in dir wohnt die Beständigkeit.
Wir sehnen uns nach dir, in dir wohnt die Vollkommenheit.
Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen.
Halleluja. Amen. Halleluja. Amen. Text: Friedrich Karl Barth 1985 Melodie: Peter Janssens 1985

Gedanken zum Sonntag

zum 5. Buch Mose Kapitel 30, 11–14

Alles war schon mal da – sagen vor allem die Alten. „Diese Art der Mode – das gab es doch schon alles“, sagte ihre Tante, die sich damit auskennt. Oder diese Musik – die ist doch nicht ganz neu. „Nur neu verpackt“ - sagt mein Mann zu meinem Sohn, der ihm gerade begeistert etwas vorführen will. Der Sohn ist genervt… Oder: „Sich zu erinnern ist gut für die Zukunft!“ - das ist Orientierungslinie für unser ganzes Volk nach dem Desaster der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Alles war schon mal da.

Manchmal hilft es, dass es ein Geschehen schon einmal gab. Es hilft, weil man sich orientieren kann: Wie haben die Menschen es damals gemacht, als sie auch schon diese Situation erlebt haben? Wie sind sie damit umgegangen? Was hat ihnen geholfen?

Eine der schwierigsten Herausforderungen der Menschheit – in der Bewältigung der derzeitigen Pandemie geht das fast schon wieder unter – ist der Klimawandel, der – wir spüren es- schon längst eingesetzt hat. Wir stehen heute vor einem so rasanten Klimawandel, dass alle Forscher katastrophales voraussagen. Wir wissen, was die Erwärmung des Erdklimas nur um 1,5 Grad in den zahllosen Verästelungen unseres Alltags konkret bedeutet: Vom Verlust gigantischer Festlandflächen weltweit bis zur Wahl privater Urlaubsziele, von der massiven Steigerung der weltweiten Flüchtlingsbewegungen bis zum sozialen Frieden hierzulande, vom Wäldersterben bis zur Trinkwasserversorgung in Deutschland…- die Erschütterung wird kommen und sie wird zu durchleiden sein.

Die, die sich mit der Bibel auskennen, wissen: alles war schon einmal da. Nein, nicht eine Erfahrung wie Erderwärmung und Klimaveränderung, aber das Gefühl einer bevorstehenden Katastrophe. Für das Volk Israel war es im biblischen Kontext die Erfahrung des Exils. Sie wussten, es würde so kommen. Sie wussten, dass sie werden gehen müssen…. Was tun angesichts einer Katastrophe?

Im Blick auf den Klimawandel ist es so: Viele Menschen entwickeln große Aktivitäten. Sie nehmen die Ergebnisse der Forscher und machen Pläne und Erfindungen und ganz konkrete Vorschläge, so dass dem Lauf der Dinge Einhalt geboten werden kann. Sie motivieren Menschen und bewirken viele gute Veränderungen im Alltag, in unserer Welt. Es sind gerade die jungen Menschen, die aufrütteln und das Leben verändern wollen. Andere machen mit, verändern ihren Lebensstil, versuchen ein verantwortliches Leben gegen die Bedrohungen. Wieder andere sind wie gelähmt und Resignation und Fatalismus bestimmen ihr Dasein.

Ja, das alles war schon mal da. So war die emotionale Lage der Menschen Israels auch angesichts der Bedrohung von Exil und Verlust all dessen, was ihr Leben war. Damals also wie heute.

Ein biblisches Wort aus dem 5. Buch Mose lässt uns wissen, was dem Volk Israel einst in dieser Situation gesagt war. Mose wird das Wort Gottes in den Mund gelegt. Und es geht so:
Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Liebe Leserinnen und Leser, ein großer Kontrapunkt wird hier gesetzt. Gott sagt sich zu! Er sagt sich in seinem Wort zu. Dem Volk Israel, dem an seinem Schicksal selbst schuldigen Israel sagt er – trotz allem – sein Wort zu. Es ist Zuspruch und Orientierung und das Wissen, wie die Probleme zu schaffen sind. Und die Menschen müssen nicht nach diesem Wort suchen in irgendwelchen Fernen, sondern es ist da, es ist schon in ihnen zu finden. In ihren Herzen ist es! Näher kann etwas gar nicht sein, als wenn es in unseren Herzen ist.

Gott hat in das Herz seiner Menschen seinen Willen gelegt.

Das Volk Israel damals, das Judentum heute ist zutiefst geprägt vom stetigen Lesen und Lernen der Bibel. Und das ist hier gemeint, wenn vom „WORT“ die Rede ist. Gottes Worte an uns, seine Regeln, seine Orientierungen, sein Wille mit und für die Welt ist hier zu finden. Er hat sie den Menschen gesagt und dann wurden sie in der Sprache der Menschen in den biblischen Texten festgeschrieben. Bis heute finden sich Gottes „Worte“ in menschlichen Texten. Wenn wir uns also mit diesen Texten beschäftigen, sie lernen, darauf herumkauen, mit ihnen ringen und dennoch immer offen für sie bleiben, dann legen sie sich in uns, verankern sich in uns, erfüllen uns und geben uns die Antwort auf viele Fragen. Im englischen gibt es den Begriff, etwas „by heart“ zu wissen“. Das meint: Etwas wurde so gut gelernt, so verinnerlicht, dass es Teil meines Selbst geworden ist.

Gott sagt sich uns zu – immer wieder, in seinem Wort. Lesen wir es also, das „nahe“ Wort. Angesichts der Ergebnisse der Wissenschaft lesen wir Gottes „Wort“, verinnerlichen wir es und es wird uns sagen, was konkret zu tun ist. Und es wird uns auch bewahren vor allem Fatalismus und aller Lähmung.

Vielleicht entgegnet nun jemand so, wie es der Katholische Theologe Johann Baptist Metz formuliert hat: „Doch wird es überhaupt Zeit geben,(…) um (…) einen nicht katastrophalen Weg in dieser Überlebenskrise der Menschheit zu finden? Steht uns allen das Wasser nicht längst bis zum Halse? Ja, so scheint es. Und darum bin ich mir keinesfalls sicher, dass wir genug Zeit haben werden. Lassen sie mich das immerhin noch mit einem Hinweis auf Martin Luther kommentieren – mit einem Hinweis auf jene berühmte Antwort, die er auf die Frage gab, was er denn täte, wenn er wüsste, dass am anderen Tag die Welt unterginge: „Ich würde in meinem Garten einen Baum pflanzen“. Für mich ist das weder Ausdruck schwächlicher Schicksalsergebenheit noch apokalyptisch gestimmter Schadenfreude; es ist wohl der Ausdruck der Kaltblütigkeit christlicher Hoffnung. Ohne sie werden wir freilich auch jene anthropologische Revolution nicht wagen, zu der uns Christen das Brot des Lebens erkräftigen will“.

Alles war schon mal da! – der Satz der Alten, den die Jungen nicht so gern hören, ist heute ein Satz der Ermutigung. Nicht nur die Katastrophen gab es schon – auch Gottes immer neue Zusage wurde schon vor uns wahrgenommen. Sie darf uns zum Brot des Lebens werden und uns – um im Wort von Johann Baptist Metz zu bleiben – „kaltblütig“ an der christlichen Hoffnung festhalten lassen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet

Wir kommen zu dir Gott,
und danken dir für alles, was unser Leben schön macht.

Wir danken dir für die Menschen,
durch die wir deine Liebe erfahren.
Wir danken dir für den Reichtum der Natur,
die wir nutzen und genießen können.

Wir danken dir für den Segen der Technik,
die uns die Arbeit und das Leben leichter macht.

Wir danken dir für so vieles, was du uns schenkst,
und was wir als selbstverständlich hinnehmen.

Wir bitten dich, Gott,
lass uns vernünftig und verantwortungsbewusst mit alle deinen Gaben umgehen.

Wir bitten dich,
lass uns die Menschen, die du uns an die Seite gestellt hast,
mit Achtung und Würde, mit Offenheit und Wahrhaftigkeit,
mit Freundlichkeit und Liebe begegnen.

Wir bitten dich, hilf uns angesichts von Verlust und Trauer.
Sei bei den Familien, die in dieser Zeit des Abschied nehmen und einen Neuanfang finden müssen. Tröste sie.
Und hilf uns zu vertrauen in deine Zusagen von Nähe und Bewahrung auch über den Tod hinaus.

Wir bitten dich, bewahre uns davor, deine Schöpfung restlos auszubeuten und die Möglichkeiten der Technik zu missbrauchen. Sei uns nahe in deinem Wort, das wir Mutig bleiben und Zuversichtlich und gute Entscheidungen treffen.
Wir bitten dich für einen klaren Blick für alles, was nötig ist, um Leben zu fördern und zu schützen.

Was wir auf dem Herzen haben, was uns freut und was uns bedrückt, bringen wir nun in der Stille vor dich.
STILLE

Guter Gott, erhöre uns.
Mit Jesu Worten beten wir: Vater unser…

Gebet

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir + Frieden.
Amen.

Mit herzlichen Grüßen, Ihre Pfarrerin Brigitte Schöne

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Gottesdienst haben, dürfen Sie mir gerne schreiben: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Informationen

Am kommenden Sonntag, den 18.10.2020 feiern wir um 10 Uhr Gottesdienst in der Kirche mit Lektorin Katja Tobolewski und Sabine Erdmann (Orgel).

Pfarrerin Schöne ist vom 12. bis 18.10. im Urlaub.

Das Tangokonzert am 25.10.2020 ist bereits ausgebucht.

Kollektensammlung

Für diesen Sonntag war der Gemeindekirchenrat (GKR) aufgefordert, den Zweck der Kollekte zu bestimmen. Der GKR hat sich zum wiederholten Male für das BALZ (Berliner Arbeitslosenzentrumevangelischer Kirchenkreise e. V.) entschieden, dessen Arbeit er wichtig findet und schätzt. Diese Einrichtung bietet Beratung zum Arbeitslosengeld, bei Bewerbungen und ebenso Hilfen bei der Arbeitssuche an. Der BALZ-Beratungsbus kommt zu den Ratsuchenden, z.B. auf der Jobcenter-Tour. Bitte unterstützen auch Sie diese Arbeit in der Evangelischen Kirche.

Ebenso sammeln wir für die Erstellung des Gemeindebriefes unserer Gemeinde. Die Einnahmen durch Anzeigen tragen die Kosten des Drucks und des Portos nicht. Wir bitten Sie, diese Arbeit mit ihrer Kollekte zu unterstützen.

Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 11.10.2020
Wir leiten Ihre Kollekte ggf. weiter! Gern senden wir auch eine Spendenbescheinigung zu.