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Psalm, Liedauswahl, und Gebet von Pfarrerin Brigitte Schöne, musikalische Begleitung vom virtuellen Chor Marienfelde & Concerto Grosso Berlin

 

 

Gemeinsam essen wirkt Wunder

„Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr“ – so heißt es im Psalm 111,4
Ein gemeinsamer Abend Jesu mit seinen Jüngern wurde zu so einem Wunder, das bis heute anhält.

Wann habe ich ihn zum letzten Mal gesehen? – fragen wir uns, wenn jemand gestorben ist. Welche Worte wurden gesprochen und was wurde verziehen? – das geht uns durch den Sinn. Ja, wie wichtig werden diese Fragen, wenn ein Mensch, der uns wichtig ist, stirbt.

Wohl denen, die Abschied nehmen durften oder gar ein letztes Wort mitbekamen. Sie behalten es ein Leben lang. Vom letzten Vermächtnis Jesu berichtet der Gründonnerstag. Jesus nimmt sich viel Zeit zum Verabschieden, macht den Jüngern Mut, wäscht ihnen die Füße und gibt ihnen Worte und Zeichen für die Zeit ohne ihn. Und das Vermächtnis lebt. Noch heute bekennen Christen: Im Abendmahl ist Jesus ganz nah, auch nach 2000 Jahren noch. Er gibt uns an seinem neuen Leben Anteil. Ihn ehren wir, wenn wir einträchtig und ohne Trennungen das Brot brechen und den Wein teilen.

 

Psalm 111

Halleluja! Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen
im Rate der Frommen und in der Gemeinde.
Groß sind die Werke des Herrn;
wer sie erforscht, der hat Freude daran.
Was er tut, das ist herrlich und prächtig,
und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige Herr.
Er gibt Speise denen, die ihn fürchten;
er gedenkt auf ewig an seinen Bund.
Er lässt verkündigen seine gewaltigen Taten seinem Volk,
dass er ihnen gebe das Erbe der Völker.
Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht;
alle seine Ordnungen sind beständig.
Sie stehen fest für immer und ewig;
sie sind geschaffen wahrhaftig und recht.
Er sandte Erlösung seinem Volk
und gebot, dass sein Bund ewig bleiben soll.
Heilig und hehr ist sein Name.
Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.
Wahrhaft klug sind alle, die danach tun.
Sein Lob bleibet ewiglich.

 

Gebet

Ja, Gott,
du hast ein Gedächtnis gestiftet, du gibst Speise, du gedenkst ewig an deinen Bund. Dafür loben wir Dich. Wir erinnern heute an dein letztes Passahfest und Abendmahl vor deinem Tod.
Stärke uns, dein Leben und Leiden, deinen Tod zu bedenken.
Erfülle uns mit deiner Gegenwart, jetzt und alle Zeit. Amen

 

Liebe Leserinnen und Leser,

„Gast sein einmal. Nicht immer selbst seine Wünsche bewirten mit kärglicher Kost.
Nicht immer feindlich nach allem fassen,
einmal sich alles geschehen lassen
und wissen: was geschieht ist gut.“
Die Verse von Rainer Maria Rilke treffen, worum es auch im Glauben an Jesus geht:
Sich nicht selbst bewirten wollen,
nicht feindlich nach allem fassen,
sondern einmal sich alles geschehen lassen – und wissen, es ist gut.

Hören wir, wie der Evangelist Johannes im 13. Kapitel von Jesu letztem Abend vor seinem Tod erzählt. Ein geradezu intimer Moment.

 

Lesung

Johannes im 13. Kapitel, Verse 1-15.34-35

Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater. Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen – als schon der Teufel dem Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, ins Herz gegeben hatte, dass er ihn verriete; Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging – da stand er vom Mahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und zu trocknen mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, du wäschst mir die Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; er ist vielmehr ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wusste, wer ihn verraten würde; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.

Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

 

Gedanken zum Gründonnerstag

„Ein Beispiel der Liebe habe ich euch gegeben“, sagt Jesus. „Macht es so wie ich!“ – Wie geht das? Wie ist das gemeint? – An diesem Abend geht es vielleicht nur darum, zusammen zu sein, real oder in Gedanken, ehrlich und aufmerksam füreinander. Offen zu sagen, wovor ich Angst habe, was mir guttut und wo-nach ich Sehnsucht habe, und zu hören, was du sagst, ist auch ein Zeichen von Liebe und Vertrauen. Als Dietrich Bonhoeffer das Lied „Von guten Mächten“ dichtete, war er im Gefängnis. In einem Brief an seine Verlobte schreibt er: „Es werden sehr stille Tage in unseren Häusern sein. Aber ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, je stiller es um mich herum geworden ist, desto deutlicher habe ich die Verbindung mit Euch gespürt... Du darfst also nicht denken, ich sei unglücklich. Was heißt denn glücklich und unglücklich? Es hängt ja so wenig von den Umständen ab, sondern eigentlich nur von dem, was im Menschen vorgeht. Ich bin jeden Tag froh, dass ich Dich, Euch habe und das macht mich glücklich froh.“ (Brautbriefe Zelle 92, 208f.)

Glücklich froh trotz allem, so stelle ich mir auch Jesus und die Seinen an ihrem letzten gemeinsamen Abend vor. Sie blenden nicht aus, was draußen ist und was sie bedrückt, sie nehmen es mit hinein in die verwandelnde Kraft der Liebe Gottes. Was Jesus dann beim Abendmahl mit ihnen teilt, ist mehr als Brot und Wein oder Traubensaft. Er gibt ihnen seine Nähe mit. Er verbindet sich ganz sinnlich mit ihnen. Er bringt zum Ausdruck: So nahe bin ich euch, dass Gottes Liebe, die in mir lebendig ist, auch zu euch fließt. Durch Brot und Wein soll euch die Liebe in Leib und Blut übergehen. Sie soll euch schmecken, euch durchströmen wie der Saft in euren Adern, wie die Freude in eurem Herzklopfen, bis in die Fingerspitzen und die kleinsten Zellen soll diese Kraft gehen. Esst und trinkt und schmeckt, dass ich bei euch bin alle Tage, egal was geschieht. Fürchtet euch nicht, ich bin doch da, immer und ewig.

Wie gut, dass wir die Erinnerung an Jesu letzten Abend mit seinen Leuten haben. Auch durch die Pandemiezeiten wird uns diese Erinnerung nicht verloren gehen, auch wenn das Abendmahl selten geworden ist. Ein seltenes Glück. Laden Sie mich gern zu einem Hausabendmahl zu Ihnen ein. Ich freue mich darauf, mit Ihnen das Abendmahl in kleinem Kreis zu feiern. Jesus sagte ja: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“. (Matthäus 18,20). Amen

 

Virtueller Chor Marienfelde & Concerto Grosso Berlin auf historischen Instrumenten, Sabine Erdmann (Orgel)
Leitung: David Menge, (Aufnahme am 28.02.21 in der Johann-Sebastian-Bach-Kirche, Lichterfelde: Céline Bader)

Johann Sebastian Bach, Matthäuspassion, Choral: Befiehl du deine Wege 

 

Gebet

Guter Gott, wir danken dir, dass es diese letzten Worte Jesu gibt.
Wir danken dir, dass Jesu letzten Taten bis heute nicht vergessen sind.
So haben wir dieses besondere Mahl, um uns immer wieder an deinen Sohn zu erinnern. Um ihn mitten unter uns zu haben.
Wir danken Dir, dass Du Zuflucht bist in diesen ungewöhnlichen Zeiten.
Sei bei uns in diesen Tagen und Wochen. Und lass uns zum Segen werden.

 

Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

 

Sendung und Segen

Geh durch diese Nächte und Tage, komme, was da wolle.
Geh gestärkt, satt in der Seele und frei im Geist.
Wenn es Nacht wird, erinnere dich:
Der das Brot des Lebens teilte, er geht mit dir.
Der den Kelch des Heils reichte, er ist an deiner Seite.
Geh in seinem Frieden.
Gott bleibe bei dir, jetzt und immer.
Es segne dich Gott, der Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Amen

 

Virtueller Chor Marienfelde & Concerto Grosso Berlin auf historischen Instrumenten, Sabine Erdmann (Orgel)
Leitung: David Menge, (Aufnahme am 28.02.21 in der Johann-Sebastian-Bach-Kirche, Lichterfelde: Céline Bader)

Johann Sebastian Bach, Matthäuspassion, Schlusschor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“ 

 

Mit herzlichen Grüßen, Pfarrerin Brigitte Schöne

 

Teilen Sie uns gern Ihre Gedanken zum Gottesdienst oder Ihre Anregungen mit - wir freuen uns. Oder melden Sie sich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder per Anruf: 030-84850080 (mit Anrufbeantworter)

 

Informationen

Wir feiern Andachten (Kurzgottesdienste)! Jeden Sonntag um 10 Uhr, bei Bedarf auch um 11 Uhr. Bitte melden Sie sich dazu über unsere Website an: bach-kirchengemeinde.de
Oder telefonisch unter 030-8174047 (bis Freitag 12 Uhr) oder unter 030-84850080 (mit Anrufbeantworter).

Am morgigen Karfreitag findet um 10 Uhr eine Andacht in der Kirche statt, am 04.04.21, Ostersonntag, finden Andachten statt um 6 Uhr am Parkfriedhof und um 10 Uhr und 11 Uhr in der Kirche. Pfarrerin Brigitte Schöne, Katja Tobolewski und Sabine Erdmann (Orgel und Laute)

 

Kollektensammlung

Interreligiöser Dialog
Unterwegs an Orten des Gebets: Juden, Christen, Muslime, Konfessionslose gemeinsam an drei Abenden unterwegs in Synagoge, Kirche und Moschee. Thema: Die Bedeutung des Gebets in den drei Religionen, jeweils eine Religionsgemeinschaft ist an einem Abend Gastgeberin. Raum für Begegnung, zum gegenseitigen Kennenlernen. Peter, Leila, Lea, Justus, Muhamad und Katharina sitzen in einem lebhaften Gespräch beim Abendimbiss beisammen. Und alle sind dankbar für die geschenkten Erfahrungen: Nur, wenn ich verstehe, was der andere glaubt, und nur, wenn ich zugleich auch selbst erzählen kann, was mir in meinem Glauben wichtig ist, kann Dialog gelingen. Peter sagt zum Abschluss: „Es war toll, so offen mit den anderen zu reden. Vieles wusste ich gar nicht über die Moschee hier“. Wir bitten um Ihre Kollekte, damit solche interreligiösen Projekte weiterhin möglich sind.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.ekbo.de/wir/interreligioeser-dialog.html

In unserer Gemeinde sammeln wir für die Gottesdienstarbeit (Ausgaben für die Verbreitung der Andachten in Papierform).

Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 01.04.2021

Wir leiten Ihre Kollekte zu 100% weiter! Gern senden wir auch eine Spendenbescheinigung zu