Geistliche Angebote



Andacht, Lieder, Fürbitten von Prädikant Hajo Fentz

 

 

Liebe Gemeinde,

„Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen,
Egoismus mit einer einzigen, und die ist erbärmlich.“

Das schrieb die mährisch-östereichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach Ende des 19. Jahrhunderts. Sie war übrigens auch noch: Uhrmacherin, Dramatikerin, Humanistin, Feministin und bekannt für ihre psychologischen Erzählungen.

Und recht hat sie: die Liebe, die ich persönlich geschenkt bekam und immer noch geschenkt bekomme, die will ich nicht für mich behalten.
Und die Liebe, die wir alle als Kinder Gottes, als seine Kirche, geschenkt bekamen und immer noch geschenkt bekommen: diese Liebe teilt sich vielen tausend Seelen tagtäglich hier in Steglitz mit: durch jede und jeden von uns, durch die Gemeinden, durch die Diakonie, durch unser diakonisches Werk Steglitz-Teltow-Zehlendorf.

Und so begrüße ich sie nicht nur zum 15. Sonntag nach Trinitatis, sondern auch zum „Diakonie-Gottesdienst“! Denn der September ist ja seit vielen Jahren in der Evangelischen Kirche der „Monat der Diakonie“. Das Motto in diesem Jahr lautet übrigens: „Brücken bauen“; wo doch in der gesamten Bibel kein einziges Mal eine Brücke erwähnt wird! Wusste ich auch noch nicht! Aber Mottos oder Motti sind ja eh so allgemein gehalten, dass sie weit umfassend und damit auch gut austauschbar sind.
Der Bibelspruch, der uns durch diese Woche begleiten soll, steht im ersten Brief des Apostels Petrus
(1. Petrus 5, 7):

„Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch“

 

Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (EG 369, 1, 2, 7)

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

Psalm 121

Ein Lied für eine Pilgerreise

Ich schaue hoch zu den Bergen: woher kommt Hilfe für mich?
Hilfe für mich, die kommt vom Herrn!

Er hat Himmel und Erde gemacht.
Er lässt deinen Fuß nicht straucheln.
Der über dich wacht, schläft nicht. Sieh doch: Der über Israel wacht,
der schläft und schlummert nicht.

Der Herr wacht über dich.
Der Herr ist dein Schutz, er spendet Schatten an deiner Seite:
Am Tag wird dir die Sonne nicht schaden / und der Mond nicht in der Nacht.

Der Herr behütet dich vor allem Bösen.
Er wacht gewiss über dein Leben.
Der Herr behütet dein Gehen und Kommen
von heute an bis in alle Zukunft.

 

Evangelium (Matthäus 25, 31 – 40)

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden.

Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten:
Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters: ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!
Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.
Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht.
Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben?
Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen?
Oder nackt und haben dich gekleidet?
Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen:
Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

 

Lied „Gott gab uns Atem, damit wir leben“ (EG 432)

Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

 

Gedanken zu Matt. 25, 31 – 40

Liebe Gemeinde,
mit dem 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums befinden wir uns bereits am Beginn der Passion. Jesus und seine Jünger sind in Jerusalem, die „Hosianna-Rufe“ hallen noch nach, und die Masse schreit noch nicht „Kreuzige ihn!“.

Doch Jesus weiß genau, was ihn erwartet: 3-mal schon hat er den Jüngern gegenüber seinen baldigen Tod angekündigt.

Immer noch predigt er vor den Menschen, immer noch erzählt er Gleichnisse, immer noch heilt er Menschen. Doch die Atmosphäre wird zunehmend düster; um Jesus herum und in ihm wird es immer dunkler – das Ende ist nicht mehr fern…

Und Jesus gießt kräftig Öl ins Feuer:
Er bringt die Geschäftsleute gegen sich auf und jagt die Händler aus dem Tempel.
Die Sadduzäer stößt er vor den Kopf mit seinen Äußerungen über die Auferstehung.
Mit der religiösen und politischen Elite verdirbt er es sich endgültig, als er sie mit Zöllnern und Huren vergleicht, und dann auch noch das Volk gegen sie aufbringt: „alles, was sie tun, ist nur Schau! Die Quasten an ihren Gewändern werden immer länger, denn alle sollen sehen können, wie fromm sie sind. (…) Aber alle, die sich selbst ehren, werden gedemütigt werden.“
Den Mächtigen Israels hält Jesus den Spiegel vor: ihr blinden Narren, ihr Scheinheiligen, Verblendeten, Heuchler, Verführer, ihr Schlangen- und Natternbrut, ihr Prophetenmörder: „euer wirkliches Leben besteht aus schmutziger Erpressung und Gier – alles ist voll stinkender Verwesung!“
Vom Tempel werden nur noch Trümmer übrigbleiben, denn Gott hat ihn verlassen. Und für sie – die ach so Frommen und doch Gottlosen – für sie bleibt nur „Heulen und ohnmächtiges Jammern“, denn in Gottes neuer Welt wird kein Platz für sie sein.

Und dann – sozusagen als Krönung – der Schlusssatz und Höhepunkt seiner seitenlangen „Philippika“: Matt. 23, 39:

„Eines Tages werdet ihr mich wiedersehen. Dann werdet ihr mir zurufen:
Heil unserem König. Heil dem Retter, den Gott gesandt hat!“

Was für eine Drohung! Jesus rechnet mit seinen Gegnern schonungslos ab: „(Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen,) Egoismus mit einer einzigen, und die ist erbärmlich.“

Jesus weiß ganz genau, was er mit diesen immer neuen und immer schärferen Provokationen bei den „Erbärmlichen“ bewirkt. Und besiegelt damit sein Schicksal. Der lästige Wanderprediger aus dem letzten Winkel Israels: er muss weg, und das endgültig!

Und wenige Tage später ist es dann ja auch so weit…

Weshalb erzähle ich das alles so ausführlich?
Weil es wichtig ist; weil ich ihnen – und mir selbst – ein Gespür dafür geben möchte, wie es um Jesus steht. Denn da steht kein unerschütterlicher Heroe, „hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir“! Hier steht ein „wahrer Mensch“. Und seine Aggressivität ist für mich Zeichen seiner Angst, Zeichen tiefster Verlassenheit und Ausdruck von maßloser Enttäuschung: drei Jahre ist er in Israel umhergezogen; drei Jahre hat er vom Reich Gottes gesprochen; drei Jahre hat er Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe und Feindesliebe nicht nur gepredigt: er hat diese Liebe gelebt: „Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen…“

Und jetzt ist Jesus am Ende: am Ende seines Weges, am Ende seines Lebens, am Ende seiner Hoffnung.

Und jetzt und hier – und genau an dieser Stelle – kommt unser Predigttext, und er strahlt dadurch umso heller: denn Jesus ruft uns hier – noch einmal und zum letzten Mal – sein Vermächtnis, seine frohe Botschaft, sein neues Testament zu: ganz klar, ganz schlicht und für Jede und Jeden verständlich:

Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.
Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht.
Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.

Denn: was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.

Liebe Gemeinde,
So machen wir´s richtig in der Nachfolge Jesu: die Liebe ist das größte, und die Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen!
In der Liebe erweisen wir uns als Freundinnen und Freunde Jesu.
Mit der Nächstenliebe sind wir glaubwürdige Diakoninnen und Diakone.
Als Geliebte und Liebende nehmen wir Gottes neue Welt in Besitz, und wir gestalten sie sogar mit:
als Gesegnete – und Segnende unseres Heilands Jesus Christus.
Amen.

 

Fürbittengebet

Guter Gott,
wir haben Anteil an deiner neuen Welt,
und wir können sie schon jetzt gestalten:
durch die Liebe, die mit tausend Seelen lebt.

Als deine geliebten Kinder bitten wir:
höre uns und hilf:

Wir bitten dich für die, die Hilfe brauchen:
für alle Kranken und für die, die alleine sind:
schenke ihnen Hoffnung und Menschen, die für sie da sind.
Wir denken an alle, die verzweifeln und nach Hilfe rufen:
Gib ihnen Stärke und Zuversicht und Menschen, die sie ernst nehmen.
Wir bitten für die, die den Tod vor Augen haben:
lass sie deine Gegenwart und deinen Frieden spüren.

Mach ihre Seelen ruhig und: schenke ihnen Menschen, die sie begleiten.
Wir bitten dich für Erika Wielinski und Gerhard Hartmann: sie sind jetzt bei dir.
Schenke ihren Angehörigen diesen Trost
und uns die Gewissheit, dass wir geborgen sind in deiner Hand.

Höre uns und hilf.

Wir bitten dich für die, die Hilfe geben:
für alle, die in medizinischen und pflegenden Berufen tätig sind.
Wir bitten für die Mitarbeitenden in unserem diakonischen Werk;
für alle, die in unserer Gemeinde als Hauptamtliche oder Ehrenamtliche Dienst tun:
lass sie Wertschätzung erfahren und schenke ihnen Freude bei dem, was sie tun.
Wir bitten für alle, die in Staat und Gesellschaft Verantwortung tragen.
Wir bitten für deine Johann-Sebastian-Bach-Gemeinde und für deine weltweite Kirche:
zeige uns immer wieder deinen Weg:
den Weg der Liebe,
den Weg zu den tausend Seelen,
den Weg zu den Geringsten – auch sie sind unsere Schwestern und Brüder.

Guter Gott,
höre uns und hilf, jetzt und alle Zeit.
Amen.

Durch die Taufe sind wir Gottes Kinder.
Und so dürfen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

 

Lied „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“


Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt;
lass mich auf deine Brücken trauen,
und wo ich gehe: geh du mit!

Ich möchte gerne Brücken bauen,
wo alle tiefen Gräben sehn;
ich möchte über Zäune schauen
und über hohe Mauern gehen.

Ich möchte gerne Hände reichen,
wo jemand harte Fäuste ballt.
Ich suche unablässig Zeichen
des Friedens zwischen Jung und Alt.


Ich möchte nicht zum Mond gelangen,
jedoch zu meines Feindes Tür.
Ich möchte keinen Streit anfangen,
ob Friede wird das liegt bei mir.

 

Segen


Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.


Informationen:

Am kommenden Sonntag, 19.09.2021 feiern wir um 10 Uhr Gottesdienst mit Pfr. Martin Ost und Sabine Erdmann an der Orgel. Am Samstag, 18.09.2021 laden wir um 15 Uhr wieder zur Kinderkirche ein mit Katja Tobolewski, musikalische Begleitung Karin Bocher.

Am Sonntag, 19.09.2021 laden wir zu einem Konzert ein: Cembalo meets Cimbalom, mit Sabine Erdmann + Enikö Ginzery, um 17 Uhr und um 18:30 Uhr. Wir bitten um Anmeldung.

Die Kollekten der letzten Gottesdienste ergaben folgende Ergebnisse:

Am 04.09.2021

Äthiopische Gemeinde Berlin                                  219,50 Euro

Am 05.09.21:

Diakonische Projekte in Kirchengemeinden            40,40 Euro  

Gottesdienstarbeit                                                        81,70 Euro

Wir bedanken uns herzlich.

 

Die heutige Kollekte erbitten wir für die Stiftung zur Bewahrung Kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa). Große Kirchen mit ihren weithin sichtbaren Türmen prägen seit jeher das Stadtbild der deutschen Städte. Der Aufwand, solche Kirchen zu erhalten und zu sanieren, ist entsprechend hoch. Ihre Eigentümer sind die Kirchengemeinden. Die heute oft kleiner werdenden Gemeinden könnten ohne finanzielle Zuschüsse ihre Kirchen kaum unterhalten. Die EKD-weite Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) unterstützt Kirchengemeinden dabei, ihre Kirchen zu retten. Eine Förderung durch die Stiftung KiBa zieht weitere Fördermittel oft in vielfacher Höhe nach sich. Auch das Gemeindeleben verändert sich durch die große gemeinsame Aufgabe, und nicht selten entstehen Fördervereine, die weit über den Kreis der Gemeinde selbst hinaus reichen. Damit wird auch Ihre Kollekte, die ohne Abzug für Fördermaßnahmen verwendet wird, vielfach wirksam. Kirchen sind mehr als ein Denkmal. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.stiftung-kiba.de

 

Ebenso sammeln wir für die Kirchenmusik in unserer Gemeinde.

 

Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 12.09.2021
Wir leiten Ihre Kollekte zu 100% weiter! Gern senden wir auch eine Spendenbescheinigung zu.