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Gedanken, Lieder und Gebete von Pfarrer Martin Ost

So seid Ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Eph. 2,19


Wirklich und ganz dazugehören, nicht allein stehen – das ist ein Lebensmittel. Einheimischen fällt es meist nicht auf – sie „gehören dazu“. Manchmal finden sie das lästig, weil sie Rücksicht nehmen müssen, nicht frei sind. Wer fremd ist, erlebt statt Freiheit Einsamkeit; fühlt sich als Gast, der immer aufpassen muss, sich richtig zu benehmen.
Der Epheserbrief will die christliche Gemeinde aus früheren Juden und Heiden als Gemeinschaft – auch die Heiden gehören zur Gemeinde, mit gleichen Rechten.
Gehöre ich dazu? Was kann ich tun, damit niemand sich als Gast am Katzentisch fühlt?

Eingangslied: 502, 1-4

1 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit!
Lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit!
Er lässt dich freundlich zu sich laden;
freue dich, Israel, seiner Gnaden,
freue dich, Israel, seiner Gnaden!

2 Der Herr regieret über die ganze Welt;
was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt;
viel tausend Engel um ihn schweben,
Psalter und Harfe ihm Ehre geben,
Psalter und Harfe ihm Ehre geben.

3 Wohlauf, ihr Heiden, lasset das Trauern sein,
zur grünen Weiden stellet euch willig ein;
da lässt er uns sein Wort verkünden,
machet uns ledig von allen Sünden,
machet uns ledig von allen Sünden.

4 Er gibet Speise reichlich und überall,
nach Vaters Weise sättigt er allzumal;
er schaffet frühn und späten Regen,
füllet uns alle mit seinem Segen,
füllet uns alle mit seinem Segen

Eingangspsalm: Psalm 107

1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
2 So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN,
die er aus der Not erlöst hat,
3 die er aus den Ländern zusammengebracht hat
von Osten und Westen, von Norden und Süden.
4 Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,
und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,
5 die hungrig und durstig waren
und deren Seele verschmachtete,
6 die dann zum HERRN riefen in ihrer Not
und er errettete sie aus ihren Ängsten
7 und führte sie den richtigen Weg,
dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:
8 Die sollen dem HERRN danken für seine Güte /
und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,
9 dass er sättigt die durstige Seele
und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Gebet

Gott, Du lädtst alle an deinen Tisch ein; alle haben Platz, woher sie auch kommen, wer sie auch sind. Hilf, dass wir einander tragen und achten, einander zuhören und helfen, wo wir es können, damit wir ein Bild abgeben einer Gemeinschaft in der Vielfalt der Menschen, ein Zeugnis geben von deiner Art, Menschen anzusehen und vorleben, wie Frieden sein kann zwischen Menschen.
Gemeinde: Amen

Lesung und Predigttext: Johannesevangelium Kapitel 6, Verse 1-15

1 Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. 2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden. 5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. 8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? 10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. 11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. 12 Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. 13 Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren. 14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.
Apostolisches Glaubensbekenntnis

Lied: 320, 1-5

1 Nun lasst uns Gott dem Herren
Dank sagen und ihn ehren
für alle seine Gaben,
die wir empfangen haben.

2 Den Leib, die Seel, das Leben
hat er allein uns geben;
dieselben zu bewahren,
tut er nie etwas sparen.

3 Nahrung gibt er dem Leibe;
die Seele muss auch bleiben,
wiewohl tödliche Wunden
sind kommen von der Sünden.

4 Ein Arzt ist uns gegeben,
der selber ist das Leben;
Christus, für uns gestorben,
der hat das Heil erworben.

5 Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl
dient wider alles Unheil;
der Heilig Geist im Glauben
lehrt uns darauf vertrauen.

P R E D I G T

„Die Geschichte wird noch weniger geglaubt, als das Wunder einer Auferweckung von den Toten“ hat ein Ausleger dieser Geschichte geschrieben. Da bin ich mir nicht sicher, eine Totenauferweckung wäre sicher spektakulär, aber das ist schon wahr: Eine Menge von 5000 Menschen satt zu bekommen ist schwierig – schon deswegen, weil jeder im eigenen Leib spürt, ob es gelungen ist. Da helfen keine psychologischen Erklärungen, mit denen wir manche Heilung erklären. Jedes Gemeindefest braucht Vorbereitung, so einfach aus dem Stand kann man nicht einmal den Gemeindekirchenrat nach der Sitzung einladen. Da muss etwas zu Beißen und zu trinken im Haus sein, gute Worte reichen nicht. Das braucht Organisation, Helferinnen und Helfer und Geld. Man muss schon vorher einkaufen und planen, sonst geht das schief.
In unseren Tagen kann man die Geschichte wieder anders erzählen: Was, wenn kein Gas mehr aus Russland kommt oder so wenig, dass es für einen kalten Winter nicht reicht? Flüssiggas, ja, aber was ist das für so viele? Und wer soll es bekommen? Und Kohle schadet dem Klima und Öl finanziert die Scheichs und ihre nun wirklich nicht demokratischen Staaten.
Man versteht die Panik der Jünger, die sich hilflos vorkommen, überfordert, überfragt. Jesus soll es richten – dass er es ihnen zutraut, das ist zu viel der Ehre! Oder auch zu viel der Verantwortung. Und heimlich, vermute ich, sind sie nicht sicher, ob er das schaffen kann, ihr Meister und sie fürchten, dass es das dann war mit der Verehrung der Menschen für ihn und damit auch mit der Hoffnung auf das Kommen des Reiches Gottes.
I
Denn das ist doch wahr, wenn es auch vielleicht nicht schön ist: Zuerst, da kommt das Fressen und dann kommt die Moral, sagt Bertolt Brecht. Etwas weniger grob heißt das: Wenn die Menschen Hunger haben und frieren, werden sie unberechenbar, wählen Radikale, lassen sich nichts mehr sagen. Ich verstehe die Furcht der Regierenden in unserem Land, die sogar mit denen verhandeln, die sie früher nicht mit der spitzen Zange angefasst hätten. Wenn Menschen hungrig sind und durstig, gehen sie auf die Barrikaden, werden selbst friedliche Zeitgenossen unberechenbar. Die Hungrigen in Sri Lanka vertreiben einen Präsidenten samt seiner Sippe.
Und auch das ist wahr: Die von Moral und höheren Zielen reden, haben meist keinen knurrenden Magen und leichter reden von Ehre und Widerstand!
Aber ob Jesus das Essen überhaupt wichtig ist, so wichtig wie das Reich Gottes und die Frage, wie die Menschen leben sollen? So ein vergeistigter Prediger vergisst das Mittagessen vor lauter Begeisterung, zieht durchs Land ohne feste Wohnung – ob dem klar ist, worum es geht, jetzt, mit diesen Menschen?
So ist es überraschend vielleicht auch für seine Freunde, dass Jesus nach der Verköstigung der Menschen fragt: Er weiß, was Menschen brauchen, steht auf dem Boden, wie in der Bergpredigt des Matthäus: „Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all das braucht!“ Jesus weiß es auch und nimmt es wichtig.
Johannes betont, dass Jesus schon einen Plan hat – er fragt die Jünger nicht aus Ratlosigkeit. Die Rede vom Himmelreich oder von Gott und seiner Liebe oder seinen Geboten ist nicht so wichtig, dass alles Irdische daneben keine Rolle spielen müsste. Auch die Ernährung ist ein Thema, nicht nur damals und dort, auch heute dürfen Gemeinden sich darüber Gedanken machen und müssen sich nicht vorwerfen lassen, das „Eigentliche“ darüber zu versäumen. „Laib und Seele“ heißt das in Berlin und in Bayern gibt es Vesperkirchen, in denen Bedürftige Mittagessen bekommen und Platz haben und einen geheizten Raum und auch eine Andacht.
II
Jesus lädt sie ein, die ihm gefolgt sind, aus Neugier, weil sie Hoffnungen auf ihn setzten, weil sie Heilung erhofften – so genau wissen wir nie, was Menschen anzieht. Sie sind an einem schönen Ort, keineswegs in der Wüste, wie in anderen derartigen Geschichten „Es war aber viel Gras an dem Ort“ schreibt Johannes, ein grüner Teppich sozusagen. Da kann man sich niederlassen und ist nicht umgeben von Not und Mangel und den Problemen der Welt.
Das Essen freilich ist deswegen noch nicht beschafft. „Es war aber nahe am Passa“, lesen wir: Das ist das Hauptfest jüdischer Menschen, Erinnerung an die Rettung aus Ägypten. Jedes Jahr wird es im Kreis der Familie gefeiert und erinnert an das Grundbekenntnis Israels zu Gott, der herausführt, ja, erst in eine Wüste, aber eben auch in Freiheit und Selbstbestimmung, wenn auch der Weg nicht einfach ist.
So könnten sie an diesen Weg denken und die Erfahrungen der Vorfahren: Die Angst hatten „Was werden wir essen?“ und haben Gott angeschrien und Mose vorgeworfen, dass er sie verleitet habe, in die Wüste zu gehen. So ist das, wenn es schwierig wird: Menschen brauchen Schuldige und die eigenen Anteile an der Lage werden gern vergessen.
Und sammeln am Morgen Manna und Wachteln und haben zu essen, nie mehr als für einen Tag, aber jeden Tag neu. Gott ist nicht beleidigt über die Vergesslichkeit der Menschen und nicht darüber, dass ihnen der Hunger näher ist als die Freiheit und der Dank über die Rettung aus dem Schilfmeer.
Alte Erinnerungen, hundertmal gehörte Geschichten – haben sie die Menschen erreicht? Vielleicht beziehen nicht einmal die Freunde Jesu das auf sich und ihre Lage. Keine Hoffnung auf Manna vom Himmel, sie machen sich Gedanken, fühlen sich verantwortlich und fürchten die Hungrigen: So fragen sie ihn. Und zeigen, dass sie mitdenken: Sie haben schon erkundet, dass da der Junge ist, der etwas bei sich hat, aber das reicht nie und nimmer. Sie schauen in die Vorratskammer wie die Hausfrau, der Gäste ins Haus geschneit sind. Ja, man könnte etwas kaufen, auch in Zeiten ohne Lieferdienste, aber wer soll das bezahlen?!
Und wieder sind wir in unseren Tagen: Was zu bekommen ist, reicht nicht, man muss ich einschränken und hat Kosten und auch der deutsche Staat hat nicht genug Geld, alle Widrigkeiten abzufangen. Es wird schwierig hören wir, vor allem für die Menschen ohne Geld. Was sind unsere Hoffnungsgeschichten? Die aus dem Krieg sind lange her, alt Geschichten, die mit uns nichts zu tun haben.
III
Ja, denke ich, und denke an die, die sich schon heute die Miete nicht leisten können, aber auch keine billigere Bleibe finden. Oder man hat ein Dach über dem Kopf, kann es aber nicht warm machen, weil Gas und Strom so teuer geworden sind. Sparen, Wärmestuben, Hilfe für Minderbemittelte, die Diakonie rechnet mit mehreren Milliarden Euro und Herr Putin sitzt in Moskau – er macht sich wenig Gedanken über die Menschen im weiten Russland, und freut sich, weil jetzt alle Gemeinschaft zerbrechen kann und die Feinde der Demokratie vielleicht ein neues Thema haben, um das sich Querdenker versammeln, freut sich über andere, die Sündenböcke suchen und finden und nennen.
Und Jesus rechnet nicht, diskutiert nicht, sammelt nicht – er nimmt, was da ist und dankt – wem eigentlich?
IV
Klar, sagst Du, Gott natürlich. Natürlich? Ich bin sicher, meine Konfirmanden hätten gesagt: Er dankt dem Jungen, der Brote und Fische bei sich hatte. Danke, dass Du sie mir gibst! Und plötzlich merke ich: Da ist ein ungeheures Vertrauen bei diesem Kind. Denkt nicht an seinen Hunger – und in einem bestimmten Alter haben die immer Hunger! – und überlegt nicht, wie lange das reichen sollte und er hat oft gehört: Du musst schauen, dass Du nicht zu kurz kommst, andere nehmen sich, was ihnen passt und denen ist egal, wie es Dir geht! Halte, was Du hast, von frommen Wünschen kannst du nicht leben! Ich weiß alles das natürlich nicht, es steht auch nicht da, aber dass Menschen, die Hunger kennen, auf das aufpassen, was sie haben, das ist sicher. Jesus könnte auch Gott danken für ein Kind, das so vertrauensvoll ist, dass es ihm alles gibt, was es hat und was für sein Leben wichtig ist. Und da kommt Gott ins Spiel, wenn wir Menschen treffen, mit denen wir nicht gerechnet haben: Die teilen, helfen, hinschauen, sich ansprechen lassen.
Aber Johannes meint vermutlich, dass Jesus für die Gaben dankt, Brote und Fische: Dass da Gott im Spiel sein könnte, dem auch unsere Ernährung wichtig ist, das versteht sich nicht von selbst – sie könnten sich aber erinnern an Wachteln und Manna und die Jahre der Wanderung durch die Wüste, in denen Väter und Mütter bewahrt worden sind, aber wahrscheinlich tun sie das nicht.
V
Jesus rechnet mit Gott, im alltäglichen Leben, auch bei Essen und Trinken. Nichts anderes sind die Tischgebete: Gott schenkt uns, was wir vor uns stehen haben und fragt nicht nach dem Dank, aber wir erinnern uns: Bei aller Fülle – es ist nicht einfach selbstverständlich, dass wir zu essen haben und eine warme Stube und was auch immer.
Jesus vergisst Gott nicht, schaut nicht abschätzend und abschätzig auf die Fische und Brote, sondern dankt, schaut zum Himmel, weg von allem Irdischen und fängt an, auszuteilen, wegzugeben. Genauso sorglos wie jener Junge, sorglos, ob es reicht und alle genug bekommen. Und wer sich an die Geschichte vom Abendmahl erinnert fühlt, wo eine andere Art Hunger aufgenommen und gestillt wird, liest es sicher im Sinn des Johannes.
Und teilt aus, 5000 Männer und, naja, pro Mann mindestens eine Frau und zwei Kinder – eine ungeheure Menschenmenge und es ist genug. Ob alle gleich viel bekommen haben – nein, das ist die falsche Frage, dass es reicht, für alle, darauf kommt es an, wie bei dem Manna. Reicht für heute und der morgige Tag wird für das Seine sorgen.
VI
Was da geschehen ist, würden wir gern wissen und erklären können und können es nicht. Kann man die Heilung eines Blinden, wenn man will, noch als Heilung von seelischen Blockaden erklären oder mit irgendwelchen wunderlichen medizinischen Ideen – beim Essen fehlt uns die Fantasie. Man muss es kaufen und verteilen und haltbar halten.
Vielleicht war es ja nur so: Dass alle etwas dabei hatten – wie sollte es eigentlich anders sein, wenn man von zu Hause wegging und hatte weder Geld noch Gelegenheit, in einem Gasthaus einzukehren, der musste etwas mitnehmen, Essen und natürlich auch Trinken für sich und die Kinder und das Baby. Und vielleicht auch Brei für die Oma mit den schlechten Zähnen.
Vielleicht war es so: Dass sie anpacken, auszupacken, ohne Angst vor neidischen Blicken oder den Versuchen der Starken, den Schwachen ihr Essen zu nehmen, packen aus, essen, geben dem Nachbarn weiter, was sie nicht brauchen, kommen ins Gespräch, tauschen und teilen und reden und lachen ohne Angst. Und am Ende sind alle satt und es bleiben Reste übrig, dass man auch in Franken noch sagen würde, dass es gereicht hat, denn wenn keine Reste bleiben, war es nicht genug, sagt man da. 12 Körbe wie 12 Stämme Israels – und wieder sind wir beim Auszug aus Ägypten und dem Weg durch die Wüste in das Land, in dem sie wohnen sollen. Sie lassen ihre Sorge los, was morgen sein könnte und die Angst, dass es nicht reicht und den Neid, der schaut, ob die anderen mehr haben oder Besseres, lassen sich anstecken von der Sorglosigkeit des Kindes und dem Gottvertrauen Jesu und teilen und essen und werden satt. Und werden eine Gemeinschaft.
VII
Genug für alle – wenn es so gewesen wäre, wer würde das nicht für ein Wunder halten, wenn er sich umschaut, wie da viele nur auf sich schauen und die Sorge im eigenen Herzen kennt, ob man selbst noch satt wird, wenn man etwas abgibt, die Sorge, die sagt „Gib nicht zu viel, am Ende hast Du selbst nichts mehr!“ Ein Wunder, wenn die Stimme schweigt oder übertönt wird.
Es wird reichen, wenn wir aufeinander achten und teilen und miteinander leben. Und lernen einander neu kennen – vielleicht würde gar der Spalt in der Gesellschaft schmaler, weil wir voneinander wissen und miteinander leben und gemeinsam überleben? Vielleicht. Hoffentlich. Wir würden wieder mehr voneinander wissen, vom Leben der anderen, ihren Sorgen und Freuden. Die anderen haben ein Gesicht – da redet man miteinander und hilft ohne großes Reden. Was wäre das, wenn wir das erlebten?
VIII
Jesus soll das Sagen haben, denken die Menschen, einer, der heilen kann und satt machen – was kann man sich mehr wünschen?
Aber Wohlstand für alle ist nicht alles. Der kann auch satt machen und träge und dann auch wieder unzufrieden – immer noch haben andere, was ich auch will, jetzt und gleich und es soll doch gerecht zugehen.
Da ist noch anderes Brot, Ich bin es, sagt Jesus, das Brot des Lebens, und bietet Vertrauen an – in Gott, der uns nicht vergisst, der unser Herz kennt und die wunden Stellen im Leben, die Trauer und die Sehnsucht, die wir nur mit Brot füllen und erleben, wie es nicht satt macht und wir unruhig bleiben und neidisch und unzufrieden. Beides zusammen – Leib und Seele, Magen und Herz und Verstand. Und aus 5000 und mehr Menschen wird eine Gemeinschaft. Gott helfe uns, dass wir noch daran denken, wenn es Winter ist! Amen.

Lied: EG 418, 1-5


1 Brich dem Hungrigen dein Brot.
Die im Elend wandern,
führe in dein Haus hinein;
trag die Last der andern.

2 Brich dem Hungrigen dein Brot;
du hast's auch empfangen.
Denen, die in Angst und Not,
stille Angst und Bangen.

3 Der da ist des Lebens Brot,
will sich täglich geben,
tritt hinein in unsre Not,
wird des Lebens Leben.

4 Dank sei dir, Herr Jesu Christ,
dass wir dich noch haben
und dass du gekommen bist,
Leib und Seel zu laben.

5 Brich uns Hungrigen dein Brot,
Sündern wie den Frommen,
und hilf, dass an deinen Tisch
wir einst alle kommen.

Fürbitten

Gott, so viel Streit, Uneinigkeit,
Kampf um die besten Plätze
Um Geld, Gas, Strom,
Rang und Ehre:
Hilf uns,
In unserer Kirche
Ein Bild einer anderen Gemeinschaft zu geben
In der die Vielfalt der Menschen
Platz und Heimat haben
Recht und Gehör und Stimme.

Wir bitten Dich für diese Erde
Die unter der Verschiedenheit leidet
Wo Reiche sich um Arme nicht kümmern
Das Geld selten für die reicht
Die es wirklich brauchen.
Wir bitten Dich für alle die Menschen unter uns
Die mit Sorge in die Zukunft schauen
Und Angst haben vor Preisen,
ums Wohnen und ihr Leben.

Wir bitten Dich für die Mächtigen der Erde
Dass sie nicht ihrem Ehrgeiz dienen
Sich nicht vom Machthunger leiten lassen
Sondern versuchen, den Menschen gerecht zu werden
Konflikte durch Reden lösen
Kriege beenden und neue Kriege vermeiden.

Wir bitten Dich für alle, die krank sind
Für alle, die Schmerzen haben
Für alle, die einen Menschen verabschieden mussten
Dass sie ihn in deinen Hängen wissen
Und sich selbst Dir anvertrauen
Dass sie Menschen haben
Die mit ihnen leben, reden, hören
Mut machen.

Wir bitten Dich für all das,
was uns bewegt
für das wir keine Worte haben
für all das, was nur jede und jeder selbst weiß
Stille –
Sei uns nahe, Gott
Und lass diese Welt nicht aus deiner Hand.
Amen.

VATERUNSER

Liedstrophe/Lied: EG 320, 7-8

7 Wir bitten deine Güte,
wollst uns hinfort behüten,
uns Große mit den Kleinen;
du kannst's nicht böse meinen.

8 Erhalt uns in der Wahrheit,
gib ewigliche Freiheit,
zu preisen deinen Namen
durch Jesus Christus. Amen.

S E G E N

Gott, der uns alle geschaffen hat
Gebe uns Platz an seinem Tisch;
Jesus, der Mensch war wie wir alle
Gebe uns Platz, trotz aller Schuld;
Gottes Geist erfülle unser Leben
Damit wir miteinander und gemeinsam leben
Und in Gottes Geist handeln.

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Informationen:
Am kommenden Sonntag, 07. August 2022 feiern wir um 10 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl mit Prädikant H.-J. Fentz, musikalische Begleitung: Sabine Erdmann.
Die heutige Kollekte sammeln wir für die Bibelmissionarische Arbeit der Landeskirche – von Cansteinsche Bibelanstalt in Berlin e.V.