Geistliche Angebote



 Andacht, Lieder, Fürbitten von Prädikant Hajo Fentz

 

 

… der wird geehrt werden

 

Bestimmt haben Sie es auch schon bemerkt: seit einiger Zeit gibt es in unserer Gesellschaft einen neuen Modebegriff: Demut! Lange ruhte fingerdick der Staub darauf, doch neuerdings vernimmt man das Bekenntnis zur Demut – besonders häufig und vor allem – aus den Mündern der Erfolgreichen aus Politik, Wirtschaft und Sport. Auf Triumphgesten zu verzichten ist gerade schick, und man hält es lieber mit dem Wochenspruch aus dem ersten Petrusbrief; im Kapitel 5, 5 steht: "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade."

Oder wie der von mir sehr geschätzte katholische Theologe Albert Kammermayer klarsichtig übersetzt: „Die Hochmütigen weist Gott von sich, aber er hilft denen, die wissen, dass sie ihn brauchen“.

 

Lied

Jesus lebt, mit ihm auch ich (EG 115)

https://video.link/w/Y4y0d

1 Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

2 Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht.

5 Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht.

6 Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht!

 

Psalm 145

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Der Herr ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen:
sie sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht;
sie sollen reden von deinen mächtigen Taten;
sie sollen preisen deine große Güte und deine Gerechtigkeit rühmen.

Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Der Herr ist allen gütig, und er erbarmt sich aller seiner Werke.
Der Herr hält alle, die fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, und hört ihr Schreien und
hilft ihnen.
Der Herr behütet alle, die ihn lieben, und wird vertilgen alle Gottlosen.

Mein Mund soll des Herrn Lob verkündigen,
und loben seinen heiligen Namen immer und ewiglich.

 

Evangelium

(Lukas 18, 9 -14, Übersetzung von Albert Kammermayer)

Mit einem anderen Gleichnis wollte Jesus die Leute treffen, die sich für besonders fromm und vorbildlich hielten und hochmütig auf andere herabsahen:

„Zwei Männer, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer, gingen in den Tempel um zu beten. Selbstbewusst stand der Pharisäer dort und betete: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen Leute. Ich bin kein Räuber, kein Gottloser, kein Ehebrecher und schon gar nicht wie dieser Zolleinnehmer dort hinten. Ich faste zweimal in der Woche, und von allen meinen Einkünften gebe ich den zehnten Teil für Gott!“

Der Zolleinnehmer blieb aber ganz hinten stehen und wagte kaum aufzusehen. Schuldbewusst betete er: „Gott, vergib mir; ich weiß, dass ich ein Sünder bin.“

Ihr könnt sicher sein: dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer. Denn: wer sich selbst ehrt, wird gedemütigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird geehrt werden.“

 

Glaubensbekenntnis

Wir glauben Gott im höchsten Thron (EG 184)

https://video.link/w/65y0d

Wir glauben Gott im höchsten Thron, wir glauben Christum, Gottes Sohn,
aus Gott geboren vor der Zeit, allmächtig, allgebenedeit.

Wir glauben Gott, den Heilgen Geist, den Tröster, der uns unterweist,
der fährt, wohin er will und mag, und stark macht, was daniederlag.

Den Vater, dessen Wink und Ruf das Licht aus Finsternissen schuf,
den Sohn, der annimmt unsre Not, litt unser Kreuz, starb unsern Tod.

Der niederfuhr und auferstand, erhöht zu Gottes rechter Hand,
und kommt am Tag, vorherbestimmt, da alle Welt ihr Urteil nimmt.

Den Geist, der heilig insgemein lässt Christen Christi Kirche sein,
bis wir, von Sünd und Fehl befreit, ihn selber schaun in Ewigkeit. Amen.

 

Gedanken zum Evangelium

Liebe Gemeinde,

Im Wahlkampf hielt Olaf Scholz „Demut für angesagt“, und Annalena Baerbock empfand „Demut vor ihrer politischen Aufgabe“, als sie zur Kanzlerkandidatin der Grünen nominiert wurde. Armin Laschet, Ministerpräsident seligen Angedenkens, kündigte vor zweieinhalb Jahren „Demut in dieser entscheidungsreichen Zeit“ an, und Angela Merkel verabschiedete sich in „Dankbarkeit und Demut“. Und so betrachtet selbst manch frisch gebackener Fußballtrainer seine bevorstehende Aufgabe bereit mit großer Demut.

Denn: Management-Ratgeber preisen seit inzwischen gut 10 Jahren Demut als wichtige Eigenschaft einer Führungspersönlichkeit an, und die Psychologie kann nachweisen, dass eine kräftige Prise postulierter Demut am Erfolg aller möglichen Projekte maßgeblichen Anteil hat. Aha! Daher also weht der Wind: Demut ist gut fürs Geschäft! Losgelöst von jedem ethisch-moralisch-religiös-christlichen Kontext lässt es sich mit der Demut gut jonglieren – und zwar für Christen wie Angela Merkel wie auch für ihren Nachfolger, der ja bekanntlich aus der Kirche ausgetreten ist.

Um nun zu erklären, was es für ihn mit der Demut auf sich hat, erzählt Jesus uns ein Gleichnis. Es findet sich bei Lukas im Kapitel 18 und ist umgeben von einer großen Zahl anderer – fast meint man, wahllos zusammengestellter – Themen; im „Tagesspiegel“ würde das wohl alles unter der Rubrik „Vermischtes“ erscheinen. Ein Gleichnis also will einen ganz bestimmten Sachverhalt auf den Punkt bringen, und zwar mit dicken Pinselstrichen und in schwarz-weiß. Und da Jesus seine Zuhörerschaft kennt, greift er lieber Situationen des galiläischen Alltags auf, anstatt das feine philosophische Besteck rauszuholen, für das dann später z.B. Paulus bekannt und berüchtigt – weil schwer verständlich – wurde.

In diesem Gleichnis also: Pharisäer gegen Zöllner, moralische Überlegenheit gegen kriminelle Energie, Gut gegen Böse. Beim ersten Zuhören und auf den ersten Blick eine klare Sache: Pharisäer zur damaligen Zeit waren die geistliche Elite. Zu ihnen konnte man aufschauen, denn die gaben sich wenigstens Mühe, alles richtig zu machen. Und viele versuchten, die Gesetze und Gebote und Vorschriften nicht nur einzuhalten, sondern – so wie in unserem Beispiel – überzuerfüllen. Zolleinnehmer dagegen waren von ganz anderem Kaliber: die galten nämlich als korrupte Kollaborateure, die ihren Wohlstand durch Betrug erlangten und vermehrten; die Höhe der Zölle legten sie selber fest: einen kleinen Teil davon bekam Rom, den größten Teil das eigene Sparschwein. So zumindest das allgemeine Urteil und die vorherrschende Meinung des kleinen Mannes und der kleinen Frau von der Straße.

Jesus greift also voll in die Mottenkiste der Vorurteile und schärft dadurch seine Botschaft umso mehr: denn nun ist bei Jesus plötzlich der Pharisäer der Böse, weil Hochmütige. Sein Gebet ist nichts anderes als Selbstdarstellung und Stolz. Dagegen der Zöllner: der macht sich nichts vor über sich und sein Leben. In Demut macht er sich ehrlich vor Gott. Wer so betet ist ein frommer Mann, ein guter Mensch. Jesu Fazit: „dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer. Denn: wer sich selbst ehrt, wird gedemütigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird geehrt werden.“ Gott also blickt mit anderen Augen auf uns Menschen. Er durchschaut uns und unsere wirklichen Beweggründe, die oft viel egoistischer sind als wir wahrhaben wollen. Und Egoismus und Hochmut bringen Jesus so richtig auf die Palme!

Im gesamten Kapitel 23 schreibt Matthäus auf, was Jesus über die Pharisäer und Schriftgelehrten denkt und was er ihnen zum Vorwurf macht: fromm tun sie und gottlos sind sie, denn es ist alles Schau und Selbstdarstellung: Sie bereichern sich durch Erbschaften, legen Gottes Gebote so aus, wie es ihnen gerade passt; sie geben zwar den Zehnten sogar von Minze, Dill und Kümmel, pfeifen dafür aber auf Barmherzigkeit und Gottvertrauen. „Außen Hui und innen pfui“ – nicht nur Jesus sieht diese Heuchelei und Doppelmoral; auch viele, die Gott suchen, sehen das und werden dadurch abgeschreckt – bis heute und bis in die höchsten Ebenen vor allem einer christlichen Kirche.

„Durch euch wird Anderen der Weg zur neuen Welt Gottes versperrt. Ihr selbst kommt nicht hinein, und die hineinwollen, die hindert ihr daran! (…) Ihr Schlangen- und Natternbrut: wie wollt ihr Gottes Gericht und der Hölle entrinnen?“ 

„Gott, vergib mir; ich weiß, dass ich ein Sünder bin.“

Der Zöllner macht es uns allen vor mit seinem aus tiefstem Herzen kommenden Gebet, das Selbsterkenntnis und die ganz schlichte Einsicht ins Faktische zeigt. Denn Niemand von uns hat sie nicht: die Dunkelheiten der Seele, die Schatten der Vergangenheit, die Verletzungen, die wir uns lieber gegenseitig nicht zeigen. Und die wir uns übrigens auch nicht zeigen müssen, wenn wir das nicht wollen. Denn geschwisterliche Ehrlichkeit bedeutet keinen Seelen-Striptease.

Aber: vor mir selbst und vor Gott: da gilt es, ehrlich zu sein und demütig zu sein.

So wie der Zolleinnehmer: er vergleicht sich nicht mit anderen Menschen. Er argumentiert auch nicht herum, dass es bestimmt noch Jemanden gibt, der viel schlimmer ist als er. Er beruft sich auch nicht auf seine eventuell vorhandenen guten Taten und Leistungen. Er schaut einfach in den Spiegel, und er sieht seine Unzulänglichkeit, seine menschliche Dummheit, sein Versagen und seine Sündhaftigkeit. Er sieht die Leere in seiner Seele und trauert von Herzen um seine Gottesferne. Der Zöllner erkennt und bekennt, dass seine Hände leer sind.

Deshalb begegnet ihm Gott und ehrt ihn. Weil er seine Maske fallen lässt, darf der Zolleinnehmer von Gott alles erwarten. Weil der Zöllner sich erkennt, beschenkt ihn Gott mit seiner Gegenwart, füllt ihm die Hände, und lässt ihn schon jetzt Anteil haben an seiner neuen Welt.

Amen.

 

Fürbittengebet

Ewiger Gott,
Beistand der Niedergeschlagenen, Halt der Fallenden:
du bist in allen Tiefen gegenwärtig,
auch dort noch, wohin kein Mitgefühl und keine Aufmerksamkeit mehr reichen.
Denn tiefer noch als alle Abgründe dringt deine Liebe.

Wir bitten dich für alle,
die vor sich selbst ihre Würde verloren haben,
die gedemütigt und missbraucht worden,
die versagt haben,
die sich kein selbstbestimmtes Leben mehr vorstellen können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle,
die in den Sog des Krieges getrieben sind,
die töten und hassen müssen,
die andere nur noch als Feinde und als Abschaum sehen können,
die ihr Gewissen und ihr Erbarmen und ihr eigenes Denken verloren haben.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle,
die nicht mehr fähig sind zum Gespräch mit Andersdenkenden,
die einander verachten, weil sie unterschiedliche Meinungen haben:
sei es über Nutzen und Gefahren von Impfungen,
über den Umgang mit Energieknappheit und Inflation oder über Gendersprache.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Wir bitte dich für alle,
die ihr Urvertrauen und ihre Fähigkeit zur Liebe verloren haben;
die nicht entkommen, wo Angst sie gefangen hält.
die zwanghaft nur an sich selbst denken müssen.
Wir bitten für alle, die vor den Trümmern eines fragmentarischen Lebens stehen, die ihre Erinnerung nicht annehmen und sich selbst nicht verzeihen können.
Wir rufen:
Herr, erbarme dich.

Das alles bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und Leben schafft in Ewigkeit.
Amen.

Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes. Deshalb dürfen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

Lied

Meine engen Grenzen (SJ 38)

https://video.link/w/y7y0d

Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich.
Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich? (2x)

Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich? (2x)

Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.
Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich? (2x)

Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich.
Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich? (2x)

 

Segen

Geht als Gesegnete des Herrn:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

 

Informationen

Am Samstag, 3. September um 11.00 Uhr feiern wir ein Tauffest mit Pfarrerin Schöne und Katja Tobolewski. Für die Musik sorgt Albrecht Gündel vom Hofe.

Der Gottesdienst am Sonntag, 4. September wird von Pfarrerin Schöne und Georgia Washington gehalten. Wir begrüßen nämlich unsere neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden und deren Eltern. Für die Musik sind Sabine Erdmann an der Orgel und Helen Barsby mit der Trompete zuständig.

Das Heilige Abendmahl feiern wir daher erst am darauffolgenden Sonntag mit Pfarrer Ost.

Schon jetzt eine herzliche Einladung zum Familienkonzert am Samstag, 10. September um 16.00 Uhr: Tal Koch meets das Albrecht Gündel vom Hofe-Ensemble.

 

Kollektensammlung

Die heutigen Kollekten sind bestimmt für die soziale Beratung unseres Diakonischen Werks Steglitz-Teltow-Zehlendorf (DWSTZ) und für die Schulanfänger-Tüten „Lesen in Gottes Welt“.

Die Soziale Beratung des DWSTZ richtet sich an Menschen in schwierigen Lebenssituationen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Sie ermöglicht es den Ratsuchenden Fragen zum Arbeitslosengeld II, zur Sozialhilfe und Grundsicherung, bei Mietschulden oder persönliche Probleme zu besprechen und zu klären: an einem Ort, unabhängig, vertraulich und kostenfrei.

Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 27.08.2022

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