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Psalm, Lieder, Andacht und Gebet von Pfarrer i. R. Martin Ost

Bild: Pixabay

Christus spricht: Was Ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern (und Schwestern), das habt Ihr mir getan.
Matthäus 25,40b

So einfach, so schwer. Man muss nur eine Einkaufsstraße in Berlin entlanggehen und wird mehr von diesen Schwestern und Brüdern sehen, als man ertragen kann. Ihnen allen helfen – wie soll das gehen? Die Frage ist das Thema der Predigt heute. Erst einmal aber sehen wir: Es sind Schwestern und Brüder Jesu, die wir da sehen. Wer über sie schnell urteilt oder sie zum Gesindel erklärt, redet so über die eigenen Geschwister und Menschen, in denen wir Jesus begegnen.

Lied

Lobet den Herrn, meine Seele

Singt Jubilate 94,1-3

Refrain: Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen.
Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen.
Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.
Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

1. Der meine Sünden vergeben hat,
der mich von Krankheit gesund gemacht,
den will ich preisen
mit Psalmen und Weisen,
von Herzen ihm ewiglich singen: Refr.

2. Der mich vom Tode errettet hat,
der mich behütet bei Tag und Nacht,
den will ich preisen mit Psalmen und Weisen,
von Herzen ihm ewiglich singen: Refr.

3. Der Erd und Himmel zusammenhält,
unter sein göttliches Ja-Wort stellt,
den will ich preisen mit Psalmen und Weisen,
von Herzen ihm ewiglich singen: Refr.

Psalm 112

Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet,
der große Freude hat an seinen Geboten!
Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande;
die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.
Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein,
und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis
gnädig, barmherzig und gerecht.
Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht
und das Seine tut, wie es recht ist!
Denn er wird niemals wanken;
der Gerechte wird nimmermehr vergessen.
Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht;
sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN.
Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht,
bis er auf seine Feinde herabsieht.
Er streut aus und gibt den Armen; /
seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Sein Horn wird erhöht mit Ehren.
Der Frevler wird’s sehen und es wird ihn verdrießen; /
mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen.
Denn was die Frevler wollen, das wird zunichte.

Gebet

Gott, wie viele kluge Worte und auch manche frommen fallen uns ein – und oft sind sie nur die Begründung, nichts zu tun, nichts zu wissen, nichts zu können. Schenk uns Spontaneität und Mut, zu reden und zu tun und den Fehler zu riskieren und das dumme Gerede anderer, damit der eine oder die andere Hilfe erlebt auf dieser Erde. Wir bitten Dich um Jesus Christus willen.

Lesung

1. Johannes 4

Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

Lied

EG 412, 1.2.4.

1. So jemand spricht: »Ich liebe Gott«,
und hasst doch seine Brüder,
der treibt mit Gottes Wahrheit Spott
und reißt sie ganz darnieder.
Gott ist die Lieb und will, dass ich
den Nächsten liebe gleich als mich.

2. Wer dieser Erde Güter hat
und sieht die Brüder leiden
und macht die Hungrigen nicht satt,
lässt Nackende nicht kleiden,
der ist ein Feind der ersten Pflicht
und hat die Liebe Gottes nicht.

4.  Wir haben einen Gott und Herrn,
sind eines Leibes Glieder,
drum diene deinem Nächsten gern,
denn wir sind alle Brüder.
Gott schuf die Welt nicht bloß für mich,
mein Nächster ist sein Kind wie ich.

Predigt

Lukasevangelium 10,25-36

Bibeltext
Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?  
Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?  
Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt**, und deinen Nächsten wie dich selbst«** (5.Mose 6,5; 3.Mose 19,18).  
Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.
Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?  
Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.
Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.  
Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.  
Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;  
und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.  
Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?  
Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Liebe Gemeinde,

wirklich lebendig wird ein Gespräch, wenn es persönlich wird. Man kann in Talkshows über Krieg und Frieden streiten – wenn man kürzer duschen soll, wird es persönlich und das Gespräch hef-tig. Wenn ich nicht mehr duschen soll und den Waschlappen nehmen und den Rasen nicht mehr gießen darf, dann beginnt das Gespräch, das wirklich etwas über mich sagt. So ist das hier auch.
Der Schriftgelehrte fragt nach dem ewigen Leben: Das ist sein Lebensinhalt: Die Gebote Gottes studieren und für alle Lebenslagen die richtige Auslegung finden. Es geht ihm nicht um äußere Ordnung, er lebt im Gebot Gottes und das ist eine Art Leben, dem der Tod nichts anhaben kann. Das ist sein Ziel, der Sinn von allem.
Und jetzt will er wissen, wie dieser Jesus die Tora auslegt. Er „versucht“ ihn, sagt unser Text, aber er will Jesus keine Falle stellen (so sahen das nur Christen am Ende des ersten Jahrhunderts). So machen sie das, die frommen Schriftgelehrten: Diskutieren die verschiedenen Auslegungen und kommen zu einem Urteil, was richtig ist. So kann man auch diesen Jesus testen, was er so denkt, in welcher Tradition er steht.
So streiten sie gelehrt. Gott soll das ganze Leben bestimmen. Deswegen ist es nicht egal, was Je-sus antwortet – aber es bleibt alles im Rahmen. Man kann sich klug präsentieren, Kenntnis der Tora beweisen und Menschen Antworten geben. Vielleicht findet man die Gegenposition nicht wirklich gut, aber das Publikum hatte seinen Spaß oder ärgert sich, redet darüber und ist auf die kommende Sendung gespannt.

I
Dass die Frage zur persönlichen Anfrage wird, liegt daran, dass Jesus unerwartet reagiert: Antwor-tet nicht, fragt zurück: Was steht in der Tora, was liest Du da? und der Mann antwortet, richtig na-türlich, und fügt zwei Stellen der Tora zusammen: Gott lieben, ja, aber auch den Nächsten und sich selbst – kluger Gelehrter und wir lernen: Nächstenliebe ist nicht erst von Jesus erfunden worden – sie entspricht dem Gott der Bibel und all dem, was dort geschrieben ist. Das muss man immer noch sagen, weil die Erzählung von dem grausamen Alten Testament so verbreitet ist und anscheinend unausrottbar.
Freilich würde sich keine Talkshow außer in BibelTV dieser Frage widmen. Die Frage nach dem ewigen Leben ist so fremd wie die Martin Luthers nach einem gnädigen Gott: „ewiges Leben“ – wer will das schon? Die paar Wenigen, die ewig leben wollen und dafür Geld ausgeben, wollen auf dieser Welt leben. Die ihre Kräfte schwinden fühlen und denen die Knie wehtun, die wollen kein ewig dauerndes Leben. Und wenn wir nun wieder Krieg erleben und haben den Eindruck, dass die Menschen und die Welt eigentlich nicht anders geworden, nicht klüger geworden sind, dann mag man sich ein unendliches Leben auf dieser Erde nicht vorstellen. Ich jedenfalls nicht.
Aber dass das Ziel „ewiges Leben“ das Handeln bestimmt, ist wohl auch eher selten, scheint mir, so, wie der „gnädige Gott“ Martin Luthers eher aus der Kirchengeschichte kommt als aus unserem Leben. Obwohl – manchmal, wenn ich meine Fehler sehe, wird er mir schon wichtig, der gnädige Gott.

II
Verständlicher klingt die Frage, wie sie Hildegard Knef in einem Lied gestellt hat: Es kommt der Tag, wo einer fragen wird, was den Menschen an Dir lag. „Wer war froh, dass es Dich gab?“, fragt „Er“, „Stell dich seinem Blick, versuche keinen Trick“, singt die Knef, damals 74 Jahre alt, und ich ahne, was sich hinter der Berliner Schnoddrigkeit auch steckt: Sie sieht sich von einem Gericht stehen über ihr ganzes Leben: „Gib mir Antwort!“, fordert die Stimme. Ob es Gott ist oder ihr Gewis-sen oder wer auch immer, das bleibt offen, wie in unserer modernen Gesellschaft meist. Aber ob-wohl man nicht weiß, wer da fragt, es ist nicht alles egal, nicht alles gleich - gültig. Und ja, so ein Lied kann einen Menschen sogar so weit bringen, manches noch zu ordnen: Die Beziehung zur Tochter oder den Streit mit dem Sohn oder vielleicht doch einen Dank an den Partner, die Partne-rin zu geben, damit man ihn besteht, den „großen Abschlusstest“, von dem die Knef singt.

III
So rückt die Frage nahe. Dem Schriftgelehrten reicht die Reaktion Jesu: „Tu das, so wirst du le-ben!“ Das heißt doch: Du weißt es doch – warum fragst Du? Das will er nicht, das klingt doch, als habe er eine Scheinfrage gestellt! So einfach ist es nicht, darf es nicht sein, damit seine Frage und er selbst nicht als dumm da stehen. So fragt er weiter: „Wer ist denn mein Nächster?“ Nicht wahr, es gibt hunderte Menschen, mit denen ich zu tun habe, die an mir vorbeigehen, mit mir le-ben – jede und jeder braucht etwas, wo soll ich da anfangen und aufhören?! Allen kann ich nicht helfen – also wem soll ich helfen und wie begründest Du das mit der Tora?
Eine berechtigte Frage, genau genommen und doch auch ein Ausweichen in theoretische Gefil-de, so wie die, die Herrn Kretschmann fragen, wie er das mit dem Waschlappen gemeint hat und meinen ihr Recht auf tägliches Duschen oder die Habeck verfolgen, weil er die Temperatur niedri-ger haben will oder die Berliner Bäder, weil das Wasser keine 26 Grad mehr haben soll und ich denke, dass wir früher ungeheizt geschwommen sind, 19 Grad waren schon viel.
Alles ein Ausweichen vor unbequemen Ansagen, im Grund. Die Frage, theoretisch gemeint, wird lebendig, bezieht sich auf mich. Wie ich lebe, was ich tue oder lasse, das ist plötzlich wichtig und nicht mehr „die anderen“, die Politik, die Gesellschaft, die Grünen oder was auch immer. Da wird es hitzig in der Talkshow und persönlich. Ratschläge werden als Vorschriften abgewehrt: Was fällt denen ein, mir vorzuschreiben, wie ich zu leben habe?!

IV
Und Jesus erzählt eine Geschichte, eine von drei Leuten, erzählt sie einfach so, ohne morali-schen Zeigefinger. Drei Männer, Priester, Levit, Samaritaner. Ein Querschnitt der Gesellschaft viel-leicht, ihre Spaltung demonstrierend: Mit dem aus Samaria wollen die beiden anderen nichts zu tun haben, die haben eine andere Tora und einen anderen Tempel, haben sich abgespalten – aber eigentlich spielt das keine Rolle in dieser Geschichte. Drei Menschen, dreimal die gleiche Szene: Sie gehen von Jerusalem nach Jericho, sehen den Überfallenen, nur, wie es weitergeht, macht den Unterschied.
„Sehen“ können sie alle drei und zwei sehen doch nicht, so, wie im richtigen Leben: Der vor mir durch die Tür geht, sieht nicht, dass sie mir auf die Nase fällt. Und den Harmonikaspieler an der Drakestrasse sehen alle – nur, wie sie vorbeigehen, macht den Unterschied. Nur der Samaritaner sieht ihn und bleibt stehen und hilft. Hilft sogar mehr als man erwarten würde, weil er für die Zukunft vorsorgt. Der Wirt vertraut ihm „ich werde es zahlen, wenn ich wiederkomme“ – was für ein Vertrauen, ohne Hinterlegung des Passes als Pfand!

V
Man kann nun überlegen, was den Unterschied ausmacht: Wahrscheinlich kennt der Samaritaner die Lage, in der man allein steht – er wird von denen in Judäa auch nicht ernst genommen; mancher zeigt ihm, dass er nicht dazugehört und ob die ihm helfen würden, wenn jemand sein Geld rauben würde und er nicht mehr kaufen kann, was sie ihm kostenlos nicht geben wollen, das ist erst noch die Frage. Aber was erklärt das – nun, vielleicht, warum die einen helfen und andere nicht. Es ist wohl immer die Frage, ob ich mich als Mensch angesprochen fühle – das hat oft mit meinen eigenen Erfahrungen zu tun, bei manchen, die nicht eingreifen, auch mit schlechten Er-fahrungen, die sie ängstlich machen und das ist immer wieder leider keine Ausrede, in der Groß-stadt wirklich nicht.

VI
Aber ganz zu Ende ist die Geschichte nicht. Am Ende fragt Jesus noch einmal und fragt anders als der Schriftgelehrte es getan hat. Hatte der gefragt „Wer ist mein Nächster?“, fragt Jesus jetzt: „Wer ist dem Überfallenen zum Nächsten geworden?“
„Nächster“ – das ist keine theoretische Größe: Die im eigenen Haus, die Nachbarn im Umkreis von hundert Metern oder was auch immer. Die Frage, wer mein Nächster ist, ist eine Frage an mich selbst: Wie ich hinschaue, entscheidet darüber. Ob ich etwas sehe, jemanden sehe, eine Lage begreife und mich angesprochen fühle und etwas tue. Bei manchen sind es gar nicht Nächste, sondern weit Entfernte: Menschen, die in Afrika am Verhungern sind, weil es so lange nicht mehr geregnet hat oder die im Mittelmeer ertrinken oder im Grenzgebiet zwischen Weißrussland und Polen gestrandet sind und umkommen. Manchmal dann aber auch die alte Frau in der Wohnung gegenüber oder der Harmonikaspieler an der Drakestraße oder die Oma, die vorm Edeka die Hand aufhält, kaum Deutsch kann und vielleicht zu einer rumänischen Familie gehört, die an mehreren Stellen bettelt, aber mich spricht sie an. Ach, es gibt so viele gute Gründe, Nächster zu werden und auch und leider auch ebenso viele und manchmal noch mehr, es nicht zu werden. Unser Sohn, der den Postboten in der Hitze fragt, ob er Wasser will – er hätte auch über die Post schimp-fen können, die ihre Leute so laufen lässt – er wird zum Nächsten. Und der Nachbar schon kommt nicht auf die Idee – was ist nur mit uns Menschen los? Was mit unserer Welt und unserem Mitei-nander, dass wir, Geschöpfe desselben Gottes, Schwestern und Brüder oder meinetwegen auch Vettern und Cousinen, einander sehen und doch nicht sehen oder nur die paar, die wir sehen wollen, denen wir uns verbunden fühlen.
Es geht gar nicht darum, ob Herr Lindner auf Sylt heiratet und getraut wird in der Kirche, zu der er nicht mehr gehört und auch nicht um das Gehalt von Frau Schlesinger, sondern darum, wo das alles Ablenkung von anderen Fragen ist. Ob ich darüber rede, damit ich den Überfallenen nicht sehen und ihm nicht helfen muss. „Sollen die doch“ sagen zu viele „dann tun sie mal was für ihr Geld“, die Mächtigen, die Bosse, alle die, die …. Und es ist nur Ausrede, damit ich nichts tun muss. Das ganze Elend der Menschheit, ihre Nicht-Gemeinschaft, dass wir einander nicht einfach als Menschen sehen, sondern sehen Israelis oder Palästinenser, Russen oder Ukrainer oder Amerikaner oder Chinesen. Sehen nicht, dass sie Menschen sind, die einen wie die anderen und die ganz anderen. Und schlagen aufeinander ein und wir müssen noch froh sein, wenn es nur mit Worten geschieht und nicht mit Waffen.
Weg von den theoretischen Debatten und dem ganzen Talk-Gequatsche und sich nicht einfan-gen lassen von denen, die sowieso nur Feinde sehen, America first oder Deutschland über alles, sondern was braucht, den ich da eben sehe und rette nicht die Welt und mache manches falsch und gehe an den meisten vorbei mit guten Gründen – aber diesem einen werde ich zum Nächs-ten.

VII
„Wer war froh, dass es dich gab?“ Ich hoffe, mir fällt jemand ein und der nickt, wenn ich gefragt werde. Kann allerdings sein, ich erinnere mich gar nicht oder es nickt jemand ganz anderes als ich gedacht habe. Und ich kann, so oder so, zugleich nicht mehr, als auf einen gnädigen Gott ver-trauen, der die Liebe über das Recht stellt und bis dahin will ich nicht immer nur fragen, wer da helfen muss und zuständig ist und warum die Politik nicht endlich, sondern tun was ich kann. Amen.

Lied

Singt Jubilate 179,1-5


1. Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe die alles umfängt,
in der Liebe die alles umfängt.

2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt
und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält
und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt
und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

5. Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist
und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir ...

Fürbitten

Gott, deine Brüder und Schwestern
Finden wir in den Menschen am Straßenrand
Die die Hand auftun
In denen, die in Pakistan untergehen
In den Fluten
In denen, die fliehen müssen
Und Heimat suchen:
Hilf uns, die Augen nicht zu verschließen
Und da und dort
So gut wir es können
Einem Menschen helfen.

Wir bitten Dich um Kraft und Mut
Für Worte gegen alle die,
die schlecht über Menschen reden
sie wie Unmenschen behandeln
die Grenzen ziehen
zwischen sich und anderen.

Stehe denen bei, die entscheiden müssen
Bei uns und anderswo:
Gib ihnen Mut, das Richtige zu tun
Und Worte, es so zu erklären
Dass sie der Wut wehren
Mit der manche das ganze Land
Umstürzen wollen.

Stehe den Menschen im Krieg bei
Und hilf, einen Weg zum Frieden finden;
Ziehe der Macht der Tyrannen Grenzen
Tu das Wunder, dass alles doch
Einen besseren Weg nimmt
Den Menschen noch nicht sehen.

Den Kranken stehe bei
Denen, die ihr Haus oder Bett nicht mehr verlassen können
Die Schmerzen haben
Die nach Hoffnung suchen.
Schenke ihnen und uns allen Menschen
Die gern zu uns kommen
Unseren Tag hell machen
Schweigen und reden
Wie es gut tut.

Um dieses alles bitten wir dich
Und manches andere, wenn wir beten
Wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vaterunser

Vater unser im Himmel!
geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
 wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
 sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne uns Gott, der uns allen das Leben gab
Und dessen Geschöpfe wir sind.

Es segne uns Jesus Christus, unser Bruder,
der uns ein Bild gibt von Gott
der uns in Schwestern und Brüdern in Not begegnet

Der Heilige Geist gebe uns Kraft
In seinem Namen zu handeln
Und Menschen, die uns ansehen
Als Schwestern und Brüder Jesu.

So segne und behüte Euch der gnädige und barmherzige Gott
Der Vater + der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
 
Kollektensammlung

Die heutige Kollekte sammeln wir für den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.  Die Kollekte für unsere Gemeinde sammeln wir für den Gemeindebrief.

Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 04.09.2022

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"Wer war froh, dass es dich gab": Das Lied von Hildegard Knef stammt von der CD „17 Millimeter“:
https://www.youtube.com/watch?v=pKOuNTCp3As