Geistliche Angebote

Andacht, Lieder, Fürbitten von Prädikant Hajo Fentz

 

 Bild von Maaark pixabay

 


Kein anderer Grund

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

6 Tage ist es erst her, dass wir dem Startschuss der Reformation – nämlich dem Anhämmern der 95 Thesen Martin Luthers am 31. Oktober 1517 an der Wittenberger Schlosskirche – gedacht haben, und daher feiern wir dieses epochale Weltereignis heute mit einem Reformationsgottesdienst nach.

Und wir machen uns Gedanken über das Abendmahl: trennt es immer noch die Konfessionen? Dietrich Bonhoeffer bezeichnet nämlich die, die sich um den Tisch des Herrn versammeln, als den innersten Kern der Kirche.

 

Der Wochenspruch stammt aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth:

„Jesus Christus ist das Fundament, das bei euch gelegt wurde.
Niemand kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen“.

Jesus Christus: unser Fundament, unser Grund, unsere feste Burg.

Das bekennen wir mit Martin Luthers wohl berühmtesten Lied, das Heinrich Heine übrigens als „die Marseillaise der Reformation“ bezeichnet hat!

 

Lied

Ein feste Burg ist unser Gott (EG 362, 1 & 2)

https://music.youtube.com/watch?v=iYzkqP3Lp2s

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er‘s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit' für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

 

Psalm 46

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke. In höchster Not steht er uns bei.
Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Fundamente der Erde schwanken
und die Berge mitten im Meer wanken.
Sollen die Wellen doch toben und schäumen und die Berge vor seiner Majestät beben!
Frisches Wasser strömt durch die Kanäle zur Freude der Menschen in Gottes Stadt.
Dort hat der Höchste seine heilige Wohnung.
Gott ist in ihrer Mitte, darum wird sie nicht wanken.
Gott wird ihr helfen, wenn der Morgen anbricht!

Der Herr der himmlischen Heere ist mit uns.
Der Gott Jakobs ist für uns eine feste Burg.

Kommt und schaut die Taten des Herrn:
er versetzt die Erde in Furcht und Schrecken.
Auf der ganzen Welt macht er den Kriegen ein Ende.
Den Bogen zerbricht er, den Speer zerschlägt er und Streitwagen verbrennt er mit Feuer.

Hört auf zu kämpfen und erkennt: Ich bin Gott!
Ich stehe über den Völkern, ich stehe über der Welt.

Der Herr der himmlischen Heere ist mit uns.
Der Gott Jakobs ist für uns eine feste Burg.

 

Evangelium

(Matthäus 5, 1 – 10, Übersetzung von Albert Kammermayer)

Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger versammelten sich um ihm. Da begann er, sie über die neue Welt Gottes zu unterweisen und sagte:

„Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind. Denn sie werden mit Gott leben in seiner neuen Welt.
Glücklich sind, die unter dieser heillosen Welt leiden, denn Gott wird alles Leid von ihnen nehmen.
Glücklich sind, die auf Gewalt verzichten, denn ihnen wird die Zukunft gehören in Gottes neuer Welt.  
Glücklich sind, die sich nach der neuen Welt Gottes sehnen, denn Gott wird ihre Sehnsucht stillen.  
Glücklich sind, die sich der Not der Menschen erbarmen, denn Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein.
Glücklich sind, die das Herz eines Kindes haben, denn sie werden Gott sehen.
Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen.
Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie Gottes Willen tun, denn sie werden mit Gott leben in seiner neuen Welt.“

 

Glaubensbekenntnis mit dem Lied

Wir glauben Gott im höchsten Thron (EG 184)

https://www.youtube.com/watch?v=Ox3kI7TmfvM

 

Gedanken

zu 1. Kor. 3, 11 – Kein anderer Grund

2012,
liebe Leserinnen und Leser,

2012 ging das jährlich stattfindende – und in jenem Jahr ökumenische – Jugendleiterseminar mit einem Gottesdienst in der katholischen St-Annen-Kirche zu Ende. Und es ging, wie jedes Jahr, feierlich dabei zu. Die ca. zwei Dutzend evangelischen und katholischen frischgebackenen Jugendleiterinnen und Jugendleiter nahmen aus unseren Händen ihre Urkunden und die staatliche Qualifikation, die JuLeiCa, in Empfang. Gekrönt werden sollte der Gottesdienst mit der Abendmahlsfeier. Wir standen alle vor dem Altar, der katholische Pfarrer kam zu uns und spendete das Abendmahl – an seine katholischen Jugendlichen. An uns Evangelischen ging er vorbei.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie weh das getan hat. Wirklich eine schlimme Erfahrung!

2022:
vielleicht war der Eine oder die Andere von ihnen am Montag im Reformationsgottesdienst? Ich war – wie in den letzten Jahren auch – in der Grunewald-Gemeinde. Der Reformationsgottesdienst dort hat nämlich eine Besonderheit: er ist ökumenisch!

Gefeiert wurde er in diesem Jahr von Dr. Nicolas Schönfeld (er ist Prädikant in der Gemeinde), und von Pater Maximilian Segener, Pfarrer der beiden angrenzenden katholischen Gemeinden Salvator und St-Borromäus, und außerdem mein Freund und Seelsorgekollege am St.-Marien-Krankenhaus in Lankwitz.

Pater Maximilian gehört zur Ordensgemeinschaft der Salvatorianer. Er ist ein humorvoller und kluger Mann, geistig und geistlich offen und liberal und gesegnet mit einem weiten Herzen am rechten Fleck. Und Maximilian ist ein außergewöhnlich guter Theologe, von dem ich viel lerne. Bestimmt runzelt er so manches Mal im Geiste seine Stirn, wenn ich wieder mal dogmatische Glaubenszweifel äußere.

Aber dennoch: wir Beide stehen auf demselben Glaubensfundament: Jesus Christus, unser Grund, unsere feste Burg (Maximilian findet übrigens Luthers Liedtext ganz hervorragend!).

Maximilian war, bevor er 2015 nach Berlin kam, Schulseelsorger im Kloster der Salvatorianer in Steinfeld: mitten im Nirgendwo, mitten in der Eifel. Zu vielen seiner Schüler hatte und hat er immer noch guten Kontakt, und so traf er sich – vor Corona – mit seinen inzwischen erwachsenen Ex-Schülern am Ende jedes Jahres zu einem Exerzitien-Wochenende.

Mitte Dezember 2019 durfte ich mit. Mit nach Steinfeld, mitten hinein ins Nirgendwo, also: mitten hinein in die Eifel.

Die Ausmaße der Klosteranlage und des danebenstehenden Gymnasiums sind gewaltig, und so ist ein Großteil inzwischen zu einem Luxushotel mutiert. Aber selbst im verbliebenen kleineren Teil, der von den Salvatorianern noch als Kloster genutzt wird, habe ich mich an diesem Wochenende so manches Mal in den Fluren und Treppenhäusern verloren, wenn ich von meinem Zimmer ins Refektorium oder zum Seminarraum wollte. In meinem Zimmer hat übrigens schon Papst Benedikt übernachtet, und ich hoffe für ihn, dass es damals Sommer war. Ich jedenfalls schlotterte nur so vor mich hin…

Exerzitien-Thema 2019 war: „Ökumene – die eine Kirche und die vielen Konfessionen“. Ich war (fast) der einzige Protestant, und sah mich zum ersten Mal einer geballten Überzahl von Katholiken gegenüber. Glauben sie mir: es fühlte sich ganz schön ungewohnt und komisch an.

Natürlich wurde ich als Person höflich und mit gebotener Herzlichkeit in diese verschworene Gemeinschaft aufgenommen; dafür trug schon Maximilian Sorge. Doch als es dann ans Eingemachte ging, und ich als evangelischer Funktionsträger mit meinen thematischen Referaten und Beiträgen dran war, spürte ich plötzlich eine abwartende Distanz: da saß ich also tatsächlich mit jungen Menschen zusammen, denen mein Evangelisch-sein irgendwie suspekt war. Auch das: eine ganz neue Erfahrung, die übrigens auch nicht sonderlich angenehm ist.

Ich referierte also tapfer über Luthers Leben und über die Anfänge der Reformation; ich informierte über das – damals wie heute – ziemlich piefige Leben in Wittenberg und über all die Aufbrüche in der restlichen Welt.

Ich erwähnte Luthers verhängnisvolle Sicht gegenüber den Juden genauso wie seine verheerende Position während der Bauernaufstände. Dazu dann aber auch der Gegenpol: die „Confessio Augustana“ – das Augsburger Bekenntnis von 1530, in der sich Katholiken und Protestanten in ziemlich allen Streitpunkten gütlich geeinigt hatten, die dann aber letztlich doch noch am Widerstand der katholischen Seite scheiterte. Übrigens war es ein gewisser Joseph Ratzinger, der als Professor in Freising und Bonn Ende der 50iger / Anfang der 60iger Jahre seinen katholischen Kollegen dringend empfahl, sich doch mal mit dem Augsburger Bekenntnis genauer zu beschäftigen… Lang, lang ist’s her…

Im Weiteren ging ich auf die unheilvolle Allianz der Evangelischen Kirche mit dem preußischen Staat im 19. Jahrhundert ein und verschwieg vor allen Dingen nicht die Schuld, die die Evangelische Kirche im Dritten Reich auf sich geladen hat: die Spaltung in eine übergroße Gruppe der Nazi-treuen „Deutschen Christen“ und in eine verschwindend kleine Minderheit der „Bekennenden Kirche“ lähmte jeden institutionellen Widerstand.

Das Stuttgarter Schuldbekenntnis vom 16. Oktober 1945 benennt das mit deutlichen Worten: „wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“

Aber natürlich erzählte ich auch davon, was ich an der Evangelischen Kirche gut finde und mag (zu deren Zugehörigkeit ich ja übrigens – wie die allermeisten Anderen von uns auch – nichts kann): der Aufbau demokratischer Strukturen nach dem zweiten Weltkrieg, die Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb der Gemeinden, das Mitspracherecht und die starke Stellung des Gemeindekirchenrates,  das Prinzip der Laien-Kirche (in allen kirchlichen Entscheidungsgremien haben sie stets die Mehrheit), die Durchsetzung der Frauenordination, die Diskussionsfreudigkeit in unserer Kirche und ihre Vielfalt…

Nach diesem flotten Galopp durch die Geschichte des deutschen Protestantismus kam am Ende des Exerzitien-Wochenendes dann aber der Clou – und das ist ja auch das, weswegen ich ihnen alles erzähle:

mit dieser Gruppe evangelisch-skeptischer, weil eingefleischter Katholiken feierten wir am letzten Tag einen Gottesdienst. Es war kein gewöhnlicher ökumenischer Wortgottesdienst, sondern ein Gottesdienst mit Abendmahl, ein Gottesdienst mit der Feier der Eucharistie! Durch und durch ökumenisch, und darüber hinaus ganz offiziell. Denn seit immerhin 1982 gibt es die sog. Lima-Liturgie des ökumenischen Rates der Kirchen, und diese Liturgie ermöglicht ein gemeinsames und für alle Christinnen und Christen gültiges Abendmahl. Leider weiß das kaum Jemand (und zumindest ich wusste es vorher ja auch nicht…).

Für Maximilians Ex-Schüler-Gruppe, für ihn und auch ganz besonders auch für mich war es ein tief bewegender Moment, als wir Beide gemeinsam das Abendmahl austeilten und es uns dann am Schluss gegenseitig spendeten: Brot und Wein, Zeichen von Leib und Blut Christi.

„Jesus Christus ist das Fundament, das bei euch gelegt wurde.
Niemand kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen“.

Und auf der Grundlage dieses gemeinsamen Fundaments darf es dann ruhig viele Wohnungen geben im Haus Gottes.

Amen.

 

Fürbittengebet

Guter Gott,
du bist das Fundament unseres Lebens,
du bist unsere Zuversicht, unsere Hilfe, unser Schutz.
Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich:
Zerbrich den Bogen der Kriegsherren.
Nimm ihnen ihre Waffen ab, hole ihre Drohnen vom Himmel, zerstöre ihre Bomben.
Schütze die Bedrohten und befreie die Verschleppten.

Wir bitten dich:
Sei Hilfe in der Not. Behüte alle, die zu dir gehören,
heile die Kranken, rette die Verzweifelten und tröste die Trauernden.
Herr, erbarme dich.

Guter Gott,
sei unsere feste Burg und wohne in unserer Mitte.
Sprich laut durch dein Wort.
Versöhne die Streitenden, und gib uns Frieden: Herr – gib Frieden!

Sei an unserer Seite in den Tagen, die kommen.
Treuer Gott, erbarme dich durch Jesus Christus.
Er ist unser Fundament und unsere Hoffnung – heute und morgen.
Amen.

 

Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes.
Deshalb dürfen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hast:

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

Lied

Selig seid ihr (SJ 168)

https://music.youtube.com/watch?v=x_-MfMDojyY

 

Segen

Geht als Gesegnete des Herrn:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

 

 

Informationen:

Mittwoch 9. November um 16.00 Uhr: Mitsingkonzert im Gemeindesaal.

Freitag, 11. November um 17.00 Uhr: St-Martinsfeier mit anschließendem Laternenumzug und Pferd.

Sonntag, 13. November um 10.00 Uhr: Gottesdienst mit Pfrn. Brigitte Schöne, musikalische Begleitung: Karin Bocher.

Am Sonntag, 13. November findet die Gemeindekirchenratswahl statt: gewählt werden kann zwischen 9.00 Uhr und 10.00 Uhr und zwischen 11.30 Uhr und 18.00 Uhr. Es gibt ein Wahlcafé mit herzhaften und süßen Leckereien.

Sonntag, 13. November um 18.00 Uhr: Konzert mit Texten von Rainer Maria Rilke in der Kirche.

Die heutige Kollekte sammeln wir für besondere Aufgaben der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Arbeit mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden in unserer Gemeinde.

Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 06.11.2022
Wir leiten Ihre Kollekte ggf. weiter! Gern senden wir auch eine Spendenbescheinigung zu.