Geistliche Angebote

Andacht, Lieder, Fürbitten von Prädikant Hajo Fentz

 

 

Die Taufe – etwas ganz Besonderes

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in dem halben Sommer- und Herbstjahr, in dem die 26 Gottesdienste nach Trinitatis liegen, gibt es ja keine christlichen Hochfeste (Weihnachten, Karfreitag und Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt). Deshalb bietet sich dieses halbe Jahr an, über die Basics des Christentums nachzudenken. In das heutige Thema führt uns der Wochenspruch aus Jesaja 43 ein:

   So spricht der Herr der dich erschaffen hat, Jakob,
   und der dich geformt hat, Israel
   Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit,
   ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!

Was für eine Zusage! Und bereits jedem und jeder von uns hat Gott dieses Versprechen gegeben: ganz persönlich in der Taufe. Davon singt unser erstes Lied, und wir bezeugen: Ich bin getauft auf deinen Namen!

 

Lied

Ich bin getauft auf deinen Namen (EG 200, 1,2,4,5)

https://www.youtube.com/watch?v=DXUYaUV1Hi8&list=RDDXUYaUV1Hi8&start_radio=1

1) Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt;
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben,
mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben,
mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein,
o guter Geist, mein Tröster sein.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,
so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.

5) Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue
Leib, Seel und Herz zum Opfer hin;
erwecke mich zu neuer Treue
und nimm Besitz von meinem Sinn.
Es sei in mir kein Tropfen Blut,
der nicht, Herr, deinen Willen tut.

 

„Im Sinne von Psalm 23“ (Hanns Dieter Hüsch)

Und wenn ich auch nichts mehr hörte
Von all diesem furchtbaren Reden
Und schnellen Begierden
Und eitlen Lügen und falschen Beweisen
Und all dem geschichtlichen Zeugs
Aus Brunst und Bestechung
Und wollte mich in mein Gehäuse verkriechen
Schweigend und schwierig im Umgang
Und nichts mehr singen und sagen

Gott sitzt in einem Kirchenbaum
Und ruft die Jahreszeiten weiter aus
Er träumt mit uns den alten Traum
Vom großen Menschenhaus

Wir sind die Kinder die er liebt
Mit denen er von Ewigkeit zu Ewigkeit
Das Leben und das Sterben übt

Er setzt auf uns
Dass wir aufstehen
Dass wir uns einmischen
Dass wir einander annehmen
Dass wir seine Revolution der Liebe verkünden

Von Haus zu Haus
An die Türen nageln
Heiß in die Köpfe reden
In die Herzen versenken
Bis die Seele wieder ein Instrument der
Zärtlichkeit wird
Bis die Zärtlichkeit musiziert und triumphiert
Und die Zukunft leuchtet

 

Gebet

Wir sind deine Kinder, Herr, befreite Menschen durch die Taufe.
Mach uns zu einem Instrument der Zärtlichkeit.
Gib uns Mut und Unverzagtheit:
dass wir aufstehen und uns einmischen,
dass wir einander annehmen und deine Revolution der Liebe verkünden.
Du setzt auf uns.
Hab Dank dafür.
Amen.

 

Evangelium

Matthäus 28, 16-20

Die elf Jünger gingen nach Galiläa. Sie stiegen auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte.
Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Aber einige hatten auch Zweifel.
Jesus kam zu ihnen und sagte:

Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde.
Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jüngerinnen und Jünger zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe!

Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.

 

Lied

Wir glauben Gott im höchsten Thron (EG 184)

https://www.youtube.com/watch?v=tjXuU9GOqNI

Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.

 

Gedanken zu Matthäus 28, 16-20

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
Amen.

„Ich bin bei euch alle Tage“ – so steht es an der Kanzel der Johann-Sebastian-Bach-Kirche geschrieben und ist damit sozusagen der Leitsatz der Gemeinde.

Dieses Versprechen gibt Jesus seinen Jüngern während seiner letzten Begegnung mit ihnen: „Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“ Mit der Zusage seiner immerwährenden Anwesenheit gibt er ihnen aber auch einen geradezu unmöglichen Auftrag mit auf den Weg: „Ab jetzt seid ihr dran: geht zu den Leuten, tauft sie und lehrt sie.“

Diese mission impossible legt Jesus ausgerechnet in die Hände dieser Männer. Die hatten sich bei Jesu Verhaftung am Gründonnerstag-Abend so gar nicht mit Ruhm bekleckert: Judas hatte Jesus verraten und in den Tagen danach Selbstmord begangen. Petrus hatte Jesus mehrfach verleugnet: „Ich??? Diesen Mann kenne ich nicht!“ Und die restlichen 10? Die hatten sich ganz schnell verdrückt, als es brenzlig wurde.

Auch jetzt – wo sie mit dem Auferstandenen zusammen sind – hält sich ihre Begeisterung in engen Grenzen. Eher das Gegenteil ist der Fall: „Einige aber zweifelten“! Und unter uns: Bei 11 übriggebliebenen Jüngern sind „einige“ ja schon eine ganze Menge!

Ich kann diese Rat- und Fassungslosigkeit der Jünger gut nachvollziehen: wahrscheinlich schütteln alle Elfe ihre Köpfe, als sie hören, was Jesus ihnen so zutraut, besser gesagt: zumutet: „Geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, mir nachzufolgen!“ „Tauft sie“, - „Lehrt sie“.

Der Weg der Jünger zurück nach Hause wird nachdenklich und wahrscheinlich sehr, sehr still gewesen sein.

„Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt“: Matthäus schließt mit diesem göttlichen Versprechen seine Evangeliumsrolle, und erst Lukas schreibt in der Apostelgeschichte auf, wie es mit dieser Gurkentruppe weiter ging. Und was er zu berichten hat, das ist tatsächlich ein Wunder: aus den verstörten und verängstigten Freunden Jesu werden furchtlose Apostel, die tatsächlich damit beginnen, die frohe Botschaft Jesu Christi hinauszutragen in die ganze Welt und die Menschen dazu aufrufen, Jesus nachzufolgen!
Die tatsächlich Menschen lehren, im Geiste Jesu, im Geist der Liebe zu leben.
Und die tatsächlich mit der Taufe Menschen hineinführen in die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Die Taufe ist nämlich etwas ganz Besonderes.
Anders als im Judentum oder im Islam wird man Christin oder Christ nicht durch Geburt, sondern durch bewusstes Bekennen zu Jesus Christus: „Ich bin getauft auf seinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.“ Die Taufe gibt dem Christentum also einen ganz eigenen Charakter: ernsthaft und heilig, tief beglückend und selig machend.

„Ich bin getauft“: Martin Luther soll diesen Satz auf sein Schreibpult geschrieben haben, um sich in Not und Anfechtung an den Grund seines Glaubens zu erinnern.

Die Taufe ist etwas ganz Besonderes.
Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, liebe Gemeinde: Ich bin ja ein Sensibelchen, und egal, ob ich als Gottesdienstbesucher oder als von der Kirche Beauftragter bei einer Taufe dabei bin: Ich könnte vor lauter Rührung Rotz und Wasser heulen. Denn in der Taufe geschieht etwas ganz Außergewöhnliches und völlig Ungeheuerliches: Ab jetzt darf ich mich Kind Gottes nennen, ab jetzt bin ich in Christus eingesenkt, ab jetzt mit seinem Geist beschenkt.

Die Taufe ist etwas ganz Besonderes.
Die Taufe macht uns nicht nur zu Kindern Gottes, sondern untereinander ja auch zu Geschwistern im Glauben. Das ist nicht nur Kanzelsprech und frommes Gerede, denn es hat tatsächlich ganz konkrete Konsequenzen zum Volk Gottes zu gehören. Ich mache gerade diese Erfahrung, denn seit einiger Zeit geht es mir nicht gut.

Das ist nichts Besonderes – jede und jeder von uns kennt solche Zeiten. Bei mir ist es unter anderem der Ruhestand, der am 1. Januar diesen Jahres plötzlich und unerwartet über mich hereingebrochen ist: Er hinterlässt nicht nur deutliche finanzielle Spuren, sondern hat zudem leider auch den faden Beigeschmack der Nutzlosigkeit und des Älter- ja sogar des -Altwerdens. Zu einer veritablen Lebens- und Glaubenskrise wird es aber, wenn nach 30 gemeinsamen Jahren das halbe Leben nicht mehr weitergeht, und wenn der Auszug aus dem gemeinsamen Haus in eine kleine Mietwohnung das Scheitern endgültig macht.

Und da passiert es: in dieser wenig schönen Situation erfahre ich viel Unterstützung und Hilfe. Ich bekomme sie – völlig selbstverständlich, doch für mich Kleingläubigen völlig unerwartet – von meinen Geschwistern im Glauben. Sie beten für mich, sie denken mit und reden gut zu, sie verschaffen mir eine bezahlbare Wohnung und helfen mit Rat und Tat. In kürzester Zeit hätte ich einen Second-Hand-Haushalts-und-Elektro-Fachhandel aufmachen können! Sie lassen mich nicht allein, die Getauften aus Markus, aus Dreifaltigkeit und – natürlich und ganz besonders – aus Johann-Sebastian-Bach.

Ja, liebe Gemeinde: Wir sind getauft. Wir gehören zu Gott. Unsere Namen sind in seine Hand geschrieben.
Und wir können uns darauf verlassen: „Ich bin immer und überall bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt!“
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

Lied

Du bist das Leben (SJ 52)

https://music.youtube.com/search?q=du+bist+das+brot+das+den+hunger+stillt

Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.

 

Fürbittengebet

Ewiger, dreieiniger Gott,
auf deinen Namen sind wir getauft, und bei unserem Namen hast du uns gerufen.
Unser ewiges Zuhause bist du.

Wir danken dir, dass wir auf deinen Namen getauft sind.
Danke für die Menschen, die in uns den Glauben an dich geweckt haben und die uns zur Taufe gebracht haben. Danke für alle, die uns auf unserem Glaubensweg begleitet haben, die unsere Fragen beantwortet haben und die uns vorgelebt haben, wie Glauben geht.

Wir bitten dich für alle, die gerade getauft wurden oder bald getauft werden.
Wir danken dir für unsere konfirmierten Jugendlichen: stärke und schütze sie. Lass ihr Vertrauen zu dir wachsen. Hilf ihnen, ihren Weg mit dir zu finden, und stelle ihnen Menschen zur Seite, die sie dabei unterstützen und begleiten.

Wir bitten dich für alle, die dein Evangelium verkünden. Stärke sie, wenn sie sich einsam oder ausgebrannt fühlen. Schenke ihnen immer wieder Freude an ihrem Dienst, und lass sie Erfüllung finden in dem, was sie tun.

Wir bitten dich für deine Kirche, für alle Getauften überall auf der Welt:
Hilf uns, einander offen und geschwisterlich zu begegnen.
Hilf allen, die sich zu dir bekennen, einander beizustehen und miteinander im Glauben zu wachsen.
Schenke deinen Kirchen Heilung, Vergebung und Versöhnung.

Wir bitten dich für deine Welt, die sich so sehr nach Frieden sehnt.
Gib allen, die Macht haben und Verantwortung tragen, Weisheit und Weitblick.
Wende die Herzen derer, die deine Welt mit Krieg und Gewalt überziehen.
Schenke Gerechtigkeit und Frieden.

Wir bitten dich für die, die deine Hilfe heute ganz besonders brauchen.
Die Angst haben um jemanden, den sie lieben, die verzweifelt sind, die den Tod vor Augen haben.
Diese Menschen bringen wir vor dich, und nennen dir ihre Namen.

Dreieiniger Gott,
dir vertrauen wir uns an, denn du hast uns erlöst.
Du kennst unsere Namen: wir sind dein.
Amen.

 

Durch sie Taufe sind wir Kinder Gottes. Deshalb dürfen wir beten, wie Christus es uns gelehrt hat:

 

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

 

Lied

Komm, Herr, segne uns (EG 170)

https://www.youtube.com/watch?v=P7B760MhAEA&list=RDP7B760MhAEA&start_radio=1

Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.

 

Durch die Taufe gehören wir zu Gott und dürfen gewiss sein: wir sind von ihm gesegnet:

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.

 

Eine gute Woche wünscht Ihnen Hajo Fentz

 

Informationen

Am nächsten Freitag, 17.07.2026, laden wir sie herzlich ein zur Taizé-Andacht mit dem Ehepaar Adelsberger. Beginn ist um 19:00 Uhr.

Am nächsten Sonntag19.07.2026, feiern wir um 10:00 Uhr Gottesdienst unter der Überschrift „Sommerstunden“ mit Pfarrerin Brigitte Schöne und Sabine Erdmann an der Orgel.